Mainstream

Vielen Menschen glauben, wenn sie in die Richtung laufen, wo alle hin gehen, sind sie richtig. So wählen die meisten die Partei, die als erfolgreich gehypt wird, sie bejubeln Stars, die alle bejubeln, sie erzählen weiter was die meisten erzählen, sie fahren in Urlaub, wenn alle fahren, sie glauben Nachrichten und Storys, die alle glauben, lassen sich ausbilden wie das alle machen. Ich war schon als Kind skeptisch, ob es richtig ist einfach mitzulaufen, hinterherzulaufen, alles zu glauben was erzählt wird. Seit ich die Milgrimstudien kennenlernte, die Kriegsmachenschaften zu verstehen begann und die ganzen Manipulationsmethoden von Medien, Politik und Wirtschaft mehr durchschauen lernte, lebe ich vorwiegend antizyklisch. Alles was die meisten dauerhaft machen ist höchstwahrscheinlich manipuliert. Wer und von wem manipuliert wird und warum, das können wir in der Flut der Informationen nicht ernsthaft klären. Wenn ich die Natur beobachte, sehe ich, dass sich keine Tierart dauerhaft in Schwärmen aufhält. Die Schwarmintelligenz der Tiere hat eine natürliche Ursache keine manipulierte. Vögel formieren sich zum Schwarm um große Distanzen zu überwinden, Fische um zu jagen, Rudel versuchen sich zu schützen. Menschenmassen sind keine natürlichen Verbünde sondern Verbindungen um das Alleinsein nicht zu spüren, Gruppen die von Machthabern, Interessen oder Geldbegierden oder Traditionen gesteuert werden. Macht muss nicht immer schlecht sein. Es hat auch im Mittelalter gute Könige gegeben, sie dienten ihrem Volk. Machthaber, die andere parasitär ausbeuten und an Macht- und Geldsucht leiden sollten wir Menschen jedoch unbedingt meiden. Es ist für uns oft nicht leicht zu erkennen, wer welche Motive verfolgt. Ich habe mir angewöhnt mich nicht an den Massen zu orientieren und lebe eher antizyklisch. Ich fahre dorthin wo andere nicht hinfahren, gehe zu Zeiten einkaufen, in denen andere nicht einkaufen, ich trainiere trotz meines Alters, laufe nicht jedem Hype nach, sondern mache das was sich für mich und meine Mitmenschen gut anfühlt.  Damit fühle ich mich sehr gut und bin gesund. Ich habe das Gefühl ich spüre sehr gut was mir gut tut und was nicht, das brauch ich mir von niemanden sagen oder vorschreiben zu lassen. Ich kann mich auch sehr gut selbst informieren und brauche keine vorgefertigte Meinungssuppe anderer auslöffeln. Mit diesem Lebensstil gelingt es mir mich Gruppen zeitweise anzuschließen und ich kann auch wieder gehen. Wenn ich mich wohlfühle und es Sinn macht gehe ich in Gemeinschaft und Gesellschaft, wenn nicht bleibe ich allein, so gelingt es mir sehr gut natürlich, kooperativ und frei zu leben.

Ich wünsche uns eine gute Woche und vor allem jetzt in der schönen Advents- und Weihnachtszeit das richtige Maß von Gemeinschaft und Alleinsein.

Gertrud Müller

Mainstream

Many people believe that if they run in the same direction as everyone else, they are running in the right direction. They vote for the political party considered most successful, they idolise celebrities that everyone idolises, they tell the same stories most people are telling, they go on holiday when everyone goes on holiday, they believe news and stories everyone believes, they let themselves be educated in the same way as everyone else.

I already questioned at a young age whether it was right just to follow, to believe all the stories being told.  I have been living mainly counter-cyclically since I learned about the Milgram experiment, began to understand the machinations of war, and started to see through the manipulative methods employed by the media, in politics and economics. Everything most people are doing on a regular basis is most likely manipulated. We cannot seriously establish who is being manipulated by whom and why amongst the flood of information.

When I observe nature, I see that no animal permanently remains in groups. The group intelligence of animals has natural, not manipulated causes. Birds form flocks to overcome great distances, fish hunt together, packs try to protect themselves.

Crowds of people are not natural groups, but form connections so as to not feel alone. They are groups steered by those in position of power, by interests or money or traditions. Power does not necessarily have to be bad. There were good kings in medieval times who served their people.  However, we humans should, at all cost, avoid rulers who are exploiting others like parasites and suffer from addiction to power and money. Seeing through motives is often not easy.

I have got in the habit of not following the masses and living more counter-cyclically. I go where others aren’t going, I shop at times when others aren’t shopping, I exercise despite my age, I am not following every trend. I am doing what feels good to me and others. I feel good this way and I am healthy. I notice what makes me feel good and what doesn’t, I don’t need others to tell me. I am able to obtain information for myself and don’t need to follow preconceived ideas. With this lifestyle, I can join groups for a period of time, but I can also leave those groups again. If it feels right and it makes sense, I join communities and society, if not, I remain on my own. This way I am able to live naturally, cooperatively and freely.

I am wishing us all a good week and the right balance of community and aloneness.

 

Wunden heilen

Bei körperlichen Verletzungen können wir davon ausgehen, dass der Organismus alles versucht, die Wunden zu heilen.  Bei seelischen Verletzungen werden uns neue Kräfte gegeben, damit wir wieder Mut finden

Es gibt Menschen mit verletzten Gefühlen, die ihre Wunden nicht heilen lassen um wieder Kraft zu schöpfen, stattdessen verwenden sie alle Kraft um Rachepläne zu schmieden, Selbstmitleid zu kultivieren und mit Gier und Geiz Kraftreserven zu horten.

Was ist in der Natur anders, als im verletzten menschlichen Denken und Fühlen? Die Pflanzen und Tiere sind nicht in der Lage an der Natur zu zweifeln. Sie nehmen die Natur wie sie ist. Tiere und Pflanzen vertrauen den Naturgesetzen und versuchen nach jeder Verletzung immer wieder in ihre Kraft zu kommen und sich vor Gefahren zu schützen.

Genau dieses bedingungslose Vertrauen fehlt uns Menschen. In der Annahme die Krönung der Schöpfung zu sein und sich die Welt untertan zu machen, glauben Menschen zu erkennen, was Recht und Unrecht ist. Wenn Personen heute in dieser Menge an Informationsflut entscheiden sollen was richtig, falsch oder gefälscht ist, stoßen sie schnell an ihre Grenzen. Was ist schon Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge?

Es wurde uns von der Natur die Möglichkeit gegeben Neues zu erfinden, Prozesse zu lenken und zu steuern. Die Naturgesetze zu verändern ist jedoch nicht unser Job. Die Menschen waren Krone der Schöpfung im Paradies. Alle, die die sich anmaßten die Welt zu beherrschen und die Naturgesetze neu zu erfinden, sind kläglich gescheitert.

Ist es nicht viel klüger der Natur zu vertrauen, den Naturgesetzen zu folgen, die Natur zu verstehen und von ihr zu lernen? Möglicherweise würden wir ganz andere Heilmittel entdecken, wenn wir uns die Natur zum Vorbild nähmen und von ihr lernten, statt zu glauben, es besser zu können als die Natur (wir reden jetzt nicht von chirurgischen Eingriffen). Die Natur ist so angelegt, dass sie alles versucht jede Wunde zu heilen. Heilen lassen heißt nicht untätig zu sein. Ganz im Gegenteil: Sowohl Tiere als auch Menschen pflegen ihre Wunden. Das Gehirn stellt neue Verknüpfungen her, um bei Gefahren besser geschützt zu sein und wir suchen Trost und Ruhe, um neue Energie und Kraft zu finden.

Wenn wir dieses angeborene Vertrauen in die Natur und ihre Kräfte wiederfinden, dann heilen auch unsere jahrhundertealten Wunden, die wir uns im Kampf mit und in der Natur und im Kampf gegeneinander zugezogen haben.

In diesem Sinne eine heilsame Woche.

Gertrud Müller

Photo Hubert Spiess

Frieden lernen

Am 11.11. wird vor allem in englischsprachigen Kulturraum der Remembrance Day begangen. Die Menschen stecken sich zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges Mohnblumen an die Kleidung.

Auf diese Weise wird der zahllosen und namenlosen toten Soldaten im ersten und zweiten Weltkrieg gedacht. Diese künstlichen Mohnblumen (Remembrance Poppy) erinnern an die Mohnblumen, die auf den frischen Gräbern der Soldaten in riesiger Zahl wuchsen. Sie erinnern an die rote Farbe des Bluts, der gefallenen Soldaten und an das Morphium, das Soldaten erhielten um die Schmerzen ihrer Verletzungen zu ertragen. Wir gedenken der Gewalt, des Krieges und des Friedens in vielen Denkmälern, Filmen, in Kunst und Kultur. Gegen die schlimmste weltweite Jahrtausende alte Pandemie: die Gewalt, suchen und finden die Menschen weder Ursachen, noch Heilmittel. Täglich flimmern die Bilder von Gewalt in den Medien, mit Gewalt werden Milliarden verdient und zugleich verlieren Millionen Menschen ihr Leben.

Wenn jemand Corona leugnet, gilt er als Ignorant, als Idiot, als herzlos, als nicht gesellschaftsfähig. Aber was ist mit den Gewaltleugnern, den Gewaltidioten, den zahllosen und herzlosen Menschen, die millionenfach an Gewalt verdienen? Diese Leute dürfen ganz legal ohne jede Ausgrenzung ihre Geschäfte machen, sie dürfen andere schädigen und werden sogar durch Aktiengewinne noch reich belohnt. Wir haben gelernt, dass Gewalt unvermeidbar ist. Stimmt das wirklich? Oder haben wir nur Angst, uns diesem Thema zu stellen?

Für eine Pandemie, an der Hunderttausende Menschen sterben, mobilisieren die Menschen innerhalb eines Jahres Milliarden, um die Menschen zu schützen. Für die Pandemie der Gewalt werden weltweit Milliarden investiert, um sie zu fördern und weiter zu kultivieren. Wir Menschen lernen, gesund zu leben, wir lernen aber auch, unseren Körper durch Zigaretten, Alkohol, Gewalt, Zucker, Stress und Bewegungsmangel zu schädigen. Menschen lernen Kriege zu führen und lernen friedlich zu sein. Was wollen wir in der Zukunft lernen und lehren? Was wollen wir an die nächste Generation weitergeben? Wollen wir als Menschen der Zukunft krank, achtlos und gewalttätig leben? Oder wollen wir gesund und friedlich leben und die Natur achten?

Was wir uns selbst und unseren Mitmenschen lernen und lehren, das wird sich in der Zukunft zeigen. Wer Krieg, Krankheit und Umweltzerstörung lehrt, muss sich nicht wundern, wenn die Menschen genau das später tun. Jeder Landwirt weiß, dass er nur Reis ernten kann, wenn er Reis anbaut. Wer Frieden, Wertschätzung, Achtung gegenüber der Natur lernt und lehrt, wird in der Zukunft eine Kultur mit Wertschätzung, Nachhaltigkeit und Gesundheit ernten.

Wir leben nicht nach einem vorbestimmten Schicksal. Wir können selbst entscheiden, was wir heute lernen und lehren und wie unsere Welt morgen aussehen wird. Ich wünsche mir, dass sehr viele Menschen eine Kultur der Wertschätzung, der Nachhaltigkeit, eine Kultur des Friedens und der Gesundheit aufbauen. Ich wünsche mir, dass meine Enkel und alle anderen Kinder auch morgen noch gut auf dieser Erde leben können.

In diesem Sinne: eine mutige und lehrreiche Woche, in der wir uns wieder für inneren Frieden, für ein gutes Miteinander und für die Achtung gegenüber der Natur engagieren.

Gertrud Müller

Der emanzipierte Mensch

Seit letztem Jahrhundert sprechen wir davon, dass sich Frauen emanzipieren. Diese Woche hörte ich einen Bericht über ein Gewalttelefon für Männer. Es gilt immer noch als Tabu, dass auch Männer von Gewalt betroffen sind und Opfer von weiblichen Gewalttaten werden. Esther Vilar schrieb vor vielen Jahren das Buch ”Der dressierte Mann”. Wir erleben in dieser Welt häufig Paradoxien: Menschen lieben die Freiheit und kultivieren Dressur.

Wir dressieren Tiere, wir dressieren Bürger, wir dressieren Kinder, seit neuestem dressieren wir die Natur. Die Tiere durchschauen die Dressurakte des Menschen nur anfangs, später gewöhnen sie sich daran, die Hunde folgen ihrem Herrchen, das Pferd dem Reiter. Die Kühe stellen sich artig in den Stall und auf die Weide. Schafe, sagt man, lassen sich sogar ganz artig zu Schlachtbank führen. Menschen sind schlauer, sie durchschauen Dressurakte mit der Zeit und versuchen Knechtschaft und Gefängnisse zu überwinden.

Moses führte sein Volk aus Ägypten, Revolutionäre befreiten sich von grausamen Herrschern, alte unterdrückende Vorstellungen, werden immer wieder überholt wie die Apartheid, der Kolonialismus und die Sklaverei. Dennoch hält sich der Mythos immer noch hartnäckig, dass Menschen einander korrigieren müssen.  Bürger müssen diszipliniert werden, Schüler müssen belehrt und erzogen werden. Die Ungläubigen werden bekehrt, Völker unterjocht und Arbeiter zur Arbeit gezwungen. Parteimitglieder müssen sich einem Fraktionszwang unterordnen und Außergewöhnliche müssen normalisiert und eingeordnet werden. Dressurakte funktionieren mit Angst, Zuckerbrot und Peitsche, mit Manipulation, mit Geld, mit Korruption, mit Bestechung und aus Gewohnheit. Damit die Menschen diese menschlichen Dressurakte nicht so leicht durchschauen, erhalten sie euphemistische Bezeichnungen: Religion, Kultur, Dienstleistung, Arbeitsverträge, Tradition, Besitzstandwahrung, Rechtsstaat, Nationalstaat, Gesetze, Hierarchie, Gesellschaftsordnung, Kommunismus, Partei, Status, usw.

Leben wir in der Moderne wirklich in freien Gesellschaften? Sind wir Menschen reif und fähig frei zu leben? Wie viele tausende Jahre werden wohl noch vergehen bis die Menschheit ihre wechselseitige Dressurleidenschaft überwindet? Oder verändern wir immer nur das Vokabular und dressieren weiter? Wie könnte eine freie Gesellschaft aussehen? Vielleicht können wir uns darüber mal Gedanken machen, bevor uns die nächsten Dressurakte wieder einholen.

Es wäre ja zu mindestens denkbar, dass wir uns überlegen, ob eine Kultur der Freiheit, in der wir Menschen uns gegenseitig achten, wertschätzen und ehrlich miteinander umgehen, eine Alternative zu den derzeitig weit verbreiteten Dressurgesellschaften wäre. Eines ist sicher: bisher schaffen wir es zeitweise, uns gegenseitig zu achten und zu respektieren, vielleicht ist das ja noch ausbaufähig.

In diesem Sinne wünsche ich uns alle eine emanzipierte Woche, in der wie uns gegenseitig in unserer Andersartigkeit achten und respektieren.

Gertrud Müller