sprachlos

Sprachlos

Verwirrt und sprachlos bleibt der Bürger derzeit zurück. Fallzahlen, schlechte Nachrichten, Verwirrung, Informationen und Fake-News, die nur schwer zu beurteilen sind. Deals und No Deals, Insolvenzen und Arbeitslosigkeit, chaotische Wahlen, …

Die Situation ist unübersichtlich geworden. Viele Menschen sind verunsichert, manche sogar verzweifelt. Es ist wichtig zu erkennen, dass es immer wieder Lichtblicke gibt. Auch frühere Generationen haben Seuchen, Freiheitseinschränkungen und wirtschaftliche Einbrüche erlebt und überlebt. Es ist wichtig, sich nicht aus der Balance bringen zu lassen. Und es ist wichtig, zu tun, was möglich ist, jeden Tag aufs Neue. Eines Tages ist die Krise vorbei, die Sonne scheint wieder und wir können sagen „es war einmal, …“

Und dann profitieren wir von all dem, was wir in diesen schwierigen Zeiten gelernt haben.

In diesem Sinne: gehen wir mutig und zuversichtlich durch diesen sonderbaren Herbst.

Gertrud Müller

Auf die Plätze, fertig, los

Auf die Plätze, fertig, los!

Der olympische Gedanke ist uralt. Die Idee, dass Personen sich sportlich betätigen und ihre Leistung messen, spornte viele dazu an, besser zu werden, höher zu springen, schneller zu laufen und weiter zu werfen. Dieser Konkurrenzkampf beflügelt die Menschheit seit Jahrtausenden. Die Zukunft erfordert vor allem eine Kooperation von allen Lebewesen, Personen oder Systeme, um unseren Planeten zu schützen und als Menschheit zu überleben. Lässt sich die alte Freude der Menschen, sich miteinander und aneinander zu messen mit dem Kooperationsgedanken und der Idee einer nachhaltigen, achtsamen Welt verbinden?

Olympia war damals für die Männer sehr wichtig, jeder der schneller laufen konnte, hatte einen Überlebensvorteil. Heute müssen die Menschen nicht mehr um Überlebensvorteile ringen, viele glauben sie brauchen nichts tun, der Staat wird’s schon richten. Vielen ist es noch nicht oder nicht mehr bewusst, dass jeder auch selbst verantwortlich ist, wenn wir als Menschheit überleben wollen.

Wenn Tausende Schüler unter dem Namen “Fridays for Future” auf die Straße gehen, werden sie teilweise belächelt. Viele Menschen glauben: ach so schlimm wird es nicht sein. Bei meinen Krebspatienten erlebe ich immer wieder, dass die Gesundheit kaum ein Thema war, bis die Krankheit diagnostiziert wurde. Erst dann erkannten die meisten: so kann ich nicht weiter machen, ich muss mich besser ernähren, ich möchte Gewicht reduzieren, ich darf nicht mehr so viel Süßes essen, ich darf nicht mehr rauchen, mir nicht mehr so viel Stress zumuten. Solange alles gut geht, denkt der Mensch kaum daran seine Gewohnheiten zu ändern und es ist auch nicht zwingend nötig. Warum sollte ein Helmuth Schmidt das Rauchen aufhören, wenn es ihm schmeckt und er über 90 Jahre gesund bleibt?

Wir müssen aber dann etwas ändern, wenn wir spüren: so geht’s nicht mehr weiter. Ich möchte niemanden wünschen, dass er spüren muss, dass sein Haus davon geschwemmt wird, dass die Getreide auf den Feldern verbrennen, dass keine Bäume mehr wachsen und keine Fische mehr im Meer schwimmen aber vieles passiert schon jetzt. Wo sind die Ärzte, die sagen: Liebe Erdenbewohner, so könnt ihr nicht weitermachen, die ganze Erde ist schwer krank. Wo sind die Therapeuten, die sagen: Das und das kann helfen, so dass wir in der nächsten Generation die Bedrohung von Seuchen, Hungersnöte, Stürme und Artensterben wieder los werden. Wir dürfen so nicht weiter machen! Es ist nicht gut, wenn wir kollektiv wegschauen und sagen: so schlimm ist es ja noch nicht.

Wenn wir drohende Gefahren nicht ernst nehmen und wenn wir jetzt nicht handeln, unsere Gewohnheiten nicht ändern, dann werden wir es als Menschheit nicht schaffen auf diesem Planeten zu überleben.

Es ist erstaunlich, wie schnell Menschen das Rauchen aufhören können, wenn Sie verstehen, dass ihr Leben bedroht ist. Oder wie schnell Menschen anfangen Sport zu machen, wenn Sie erkennen, dass es ihnen helfen kann länger und gesünder zu leben. Es ist erstaunlich, wie weit Menschen fliehen, wenn ihr Leben bedroht ist.

Machen wir es so, wie damals die Leute bei Olympia – fangen wir an unsere Überlebensvorteile zu verbessern. Suchen wir nach den besten Lösungen, nach den umweltfreundlichsten Produkten, nach den besten Firmen, den besten Parteien, die kooperativ, innovativ und ökologisch arbeiten. Suchen wir die besten Führungskräfte, die dazu beitragen, dass wir eine gute Zukunft gestalten können.

Auf die Plätze fertig los! Fangen wir an, die beste Menschheit zu werden, die die Welt je gesehen hat. Wachsen wir über uns hinaus und beweisen es allen, dass wir es schaffen, gut zusammen zu leben, so dass wir mit Freude auf diesem Planeten leben können – Menschen, Tiere, Pflanzen. Das ist der moderne Wettkampf, eine moderne Olympiade, bei der wir zurecht Goldmedaillen, Nobelpreise, Trophäen und alles Lob der Welt verdienen.

Das ist eine neue Olympiade, die 2020 beginnen kann und jeder kann teilnehmen, die Bürger, die Hausfrauen, die Jugendlichen, die Firmenchefs, die Ärzte und Krankenschwestern, die Politiker, die Vereine …

Auf die Plätze fertig los, sei dabei!

Ich freu mich über jeden, der etwas zur neuen Olympiade beitragen möchte.

Herzliche Grüße

Gertrud Müller

Photos: Hubert Spieß

Raus aus der Komfortzone

Für mich ist es ein großes Glück, dass ich so nahe am Münchner Olympiapark (55m) wohne. Ich habe den Luxus, dass ich an 365 Tagen im Jahr morgens auf den Olympiaberg steigen und Sonnenaufgänge beobachten kann (mache ich nicht immer, da ich auch öfter meine Komfortzone statt Kälte und Müdigkeit wähle). Und wenn ich Lust habe, kann ich auch abends auf den Olympiaberg steigen und wunderschöne Sonnenuntergänge anschauen.

Vor Jahren, als ich noch nicht regelmäßig Sport machte, waren das meine Trainingseinheiten. Faul und unsportlich war ich noch nie, aber ich konnte mich auch nicht überwinden, regelmäßig und gezielt Sport zu machen. Ich hatte das in meiner Familie nie gelernt. Dann bekam ich meine Kinder und hatte zu wenig Zeit für Sport, danach kam meine berufliche Laufbahn und später glaubte ich zu alt zu sein.

Ich gewöhnte mir vor Jahren an, möglichst oft am Morgen auf den Olympiaberg zu gehen, ich liebe Sonnenaufgänge und das war dann schon ein wenig Morgensport. Voller Bewunderung sah ich die jungen Leute, die den Berg hinaufliefen, nicht nur so gemütlich spazierten wie ich. Langsam reifte in mir der Wunsch, ebenfalls diesen Berg hinaufzulaufen. Ich begann zu laufen, es ging nicht so recht, spätestens nach 400m war ich völlig aus der Puste. Dann traf ich eine ehemalige Patientin, die mir erzählte, sie könne inzwischen 10 km laufen. Volle Bewunderung von mir!  Sie erzählte mir, dass sie beim Lauf 10 teilgenommen hätte, eine Initiative des Bayerischen Rundfunks, in der man Schritt für Schritt das Laufen lernte.

Ich bin kein Herdentier, eher ein Einzelsportler, ich brauche Ruhe und die Konzentration auf mich selbst für den Sport. Ich beschloss, mir ein Lauf Buch zu kaufen und autodidaktisch zu lernen. Und so begann ich nach meinen Spaziergängen auf den Olympiaberg mit dem Training, wie es im Buch beschrieben wurde: 10 Minuten Training: 1 Minute laufen, 1 Minute gehen. Nach ein paar Tagen schaffte ich schon 2 Minuten laufen, 1 Minute gehen, dann 5 Minuten laufen, 1 Minute gehen usw. Ich war überglücklich, als ich nach einiger Zeit schon 20 Minuten laufen konnte ohne dazwischen zu gehen. Vor drei Jahren schaffte ich dann schon 3 km an einem Stück zu laufen. Ich nahm gelegentlich an einer Sportgruppe für Krebspatienten teil und dort erzählte mir eine Frau, sie hätte sich für den Kuhseetriathlon in Augsburg angemeldet.

Wow, einen Triathlon laufen, das war für mich ein unerreichbarer Traum:  500m Schwimmen, 20 km radeln und 5 km laufen. „Das schaffe ich auch“ sagte ich ganz spontan und meldete mich sofort an.

Es war Frühjahr und bis Juli musste ich es schaffen, 5 km zu laufen. Ich trainierte schwimmen, laufen, radeln. Vor allem das Laufen musste ich trainieren, das ist meine schwächste Disziplin. Mein Ziel mit 57 Jahren war nicht eine Platzierung zu machen, sondern dabei zu sein und es zu schaffen. Und ich schaffte es! Ich war überglücklich und hatte sogar den Mut, bei einem Triathlon Trainer nachzufragen, ob es möglich wäre in meinem Alter noch Triathlon zu trainieren. Ich war total überrascht, er machte mir Mut und fand es Klasse, dass ich trainieren wollte und vermittelte mir einen Freund, der noch Trainingsteilnehmer annahm.

Und so bin ich jetzt 60 Jahre alt und trainiere hobbymäßig Triathlon. Es macht mir riesig Spaß und ich habe das Gefühl, meinem Alter ein Stück weit davon zu laufen. Ich überliste meine Trägheit, indem ich oft abends noch schwimmen gehe. Und was mir ganz besonders Spaß macht: überall durch die Gegend zu radeln.

Viele Leute sagen, das Leben würde mit dem Alter schlechter und mit 50 würden die Alltagsbeschwerden losgehen. Ich habe eine ganz andere Erfahrung gemacht. Die Trägheit und das Verharren in der Comfort Zone ist das Problem, so dass wir uns als Menschen nicht weiterentwickeln. Wir glauben, nur Kinder könnten immer etwas Neues lernen und es anders machen. Meine Erfahrung ist jedoch, wir können jeden Tag Neues lernen, jeden Tag nochmal neu beginnen und jung bleiben, bis ins hohe Alter (den Beweis muss ich natürlich erst noch im Selbstversuch erbringen). Was ich jetzt schon bemerke: das Alter bringt auch viele Vorteile, ich kann meine Zeit gut einteilen, ich weiß schon viel Dinge, die sich Jüngere erst noch aneignen müssen und das Alter ermöglich eine gewisse Narrenfreiheit.

Ich muss keine Pokale gewinnen, mich nicht an Kollegen messen, die ein anderes Berufsverständnis haben und der Selbstwert ist nicht mehr so abhängig von dem, was andere denken. Ich habe beschlossen, mich weder von der Trägheit meiner Umgebung lähmen, noch in ein Gedankenkorsett eines Mainstreams einsperren zu lassen. Und ich werde immer meine Wahlmöglichkeiten nützen, auch wenn andere versuchen wollen, mich zu steuern, mich abzuwerten oder lächerlich zu machen.

Ja es stimmt, es ist nicht ganz einfach, aus seiner Comfort Zone herauszuwachsen, herauszukrabbeln und dann immer wieder von dieser Comfort Zone davon zu laufen. Aber es geht! Es ist ein gewisser Luxus, den ich mir leiste, dass ich immer frei entscheiden kann, wann ich ein wenig in der Komfortzone bleibe und wann ich wieder in das Leben außerhalb dieser Komfortzone gehe.

Allerdings muss ich jeden, der die Komfortzone verlassen will darauf hinweisen, dass die Umwelt, die Menschen, die sich in ihrer Komfortzone eingerichtet haben, das anders sehen. Warum machst du das? Du bist doch eigentlich viel zu alt, zu dick usw. Das ist zu gefährlich! Du kannst ein Unfall haben! Schau auf deine Gelenke! Kommst du dir da nicht komisch vor, in deinem Alter allein zu trainieren? Oder sie stellen fest: du bist halt ein verrücktes Huhn.

Auch das gehört dazu, wenn Mann oder Frau außerhalb der Komfortzone leben möchten. Wenn Menschen gern in ihren Komfortzonen bleiben, dürfen sie das. Noch leben wir in einem freien Staat und ich hoffe, dass das auch so bleibt. Ich denke es ist ein Zeichen einer gesunden Gemeinschaft, wenn sich Menschen für unterschiedliche Lebensstile entscheiden können. Möge jeder Mensch auf dieser Erde selbst wählen und entscheiden dürfen, wie viel Komfortzone er braucht und in welcher Weise er darüber hinauswachsen möchte.

In diesem Sinn – herzliche Grüße an alle, innerhalb und außerhalb ihrer Komfortzonen.

Gertrud Müller

Photo. Hubert Spiess

Die Sucht nach Macht und Geld

Die Sucht nach Macht und Geld

Sucht stimuliert Botenstoffe im Gehirn. Der Botenstoff Dopamin sucht nach neuen Reizen. Bei einer Sucht ist die Suche nicht mehr auf unterschiedliche Reize gerichtet, die das Leben und die Gesundheit fördern, vielmehr fokussiert sich der Süchtige auf eine suchterzeugende Substanz. Suchtmittel können Alkohol. Rauschgift, Tabletten, Tabak, Essen oder auch Hungern (bei Magersucht) und vieles mehr sein. Inzwischen werden auch Suchterkrankungen mit nichtstofflichen Suchtmitteln beschrieben wie Spielsucht oder Internetsucht. Eine Sucht wird diagnostiziert, wenn mehrere Voraussetzungen zutreffen:

  1. Der Süchtige empfindet Glücksgefühle beim Konsum des Suchtmittels.
  2. Der Süchtige kann den Umgang mit dem Suchtmittel immer weniger kontrollieren.
  3. Die Droge führt mit der Zeit zum Wirkungsverlust, die Dosis der Droge wird immer mehr gesteigert.
  4. Körperliche Entzugssymptome, wenn das Suchtmittel nicht verfügbar ist.
  5. Der fortgesetzte Konsum führt zu Folgeschäden.
  6. Ein Umfeld, das die Sucht unterstützt oder nicht verhindert.

Geld und Macht werden bis heute nicht als Suchtmittel gesehen, obwohl alle Kriterien der Definition von Sucht auch auf die Suchtmittel Geld und Macht zu treffen.

  1. Menschen können enorme Glücksgefühle erleben, wenn Ihnen Macht zugesprochen wird und Geldzuwachs erreicht wird. (Jubel beim Gewinn der Wahl, beim Lottogewinn)
  2. Personen, die über Macht und Geld verfügen, streben danach immer mehr Macht und Geld zu erhalten. (Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Religion, die trotz großer Macht weiter nach Macht und Geld streben)
  3. Die Maßnahmen immer neue Macht, neues Geld zu erhalten werden gesteigert. (Sogar das Einsetzen von Betrug, Verrat und Gewalt wird bei drohendem Machtverlust eingesetzt und gilt in macht- und geldaffinen Kreisen als legitim)
  4. Die Sucht nach Macht und Geld verursacht Schäden, vor allem bei anderen Personen und in der Umwelt.
  5. Ein Umfeld, das die Sucht nach Geld und Macht unterstützt. (Im Umfeld von macht- und geldsüchtigen Personen befinden sich Personen, die sich nicht oder unzureichend gegenüber Ausbeutung und Unterdrückung wehren und schützen können).

In diesem Sinne können Geld und Macht aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Wenn Macht und Geld dazu führen, dass kein gemeinsamer Nutzen mehr erzielt wird, dann besteht, die Gefahr, dass Macht und Geld zum Suchtmittel werden. Diese Sucht ist eine der gefährlichsten, sie führt zu Kriegen, Terror und Ausbeutung von Menschen, Tieren und Pflanzen. Leider wird diese Gefahr der Macht- und Geldsucht viel zu wenig beachtet. Diese beiden Suchtursachen tauchen in keinem Diagnosemanual auf, werden nicht erkannt und kaum benannt. Auch wenn die Sucht nach Macht und Geld von Ärzten, Psychiatern, Wissenschaftlern und Suchtexperten noch nicht als Krankheit klassifiziert wird, können wir achtsam sein, damit diese Sucht uns selbst nicht befällt und wir nicht als Co-Abhängige die Geld- und Machtsucht anderer unterstützen.

Ein schönes Wochenende und bleiben Sie gesund, auch gesund gegenüber Macht- und Geldsucht.

Gertrud Müller

Die Angst namens Virus. Ein neues Märchen

Es war einmal vor langer Zeit, da hatten die Menschen Angst vor großen Tieren. Sie bauten Fallen, Pfeil und Bogen, Schwerter, Degen und Schilder um sich zu schützen und um zu jagen. Der Mensch war erfolgreich und wurde vom Sammler zum Jäger.

Eines Tages erkannten die Menschen, dass mit Ackerbau und Viehzucht mehr Geld zu verdienen war und so wurde der Jäger zum Landwirt. Als die Menschen sesshaft waren, träumten immer mehr Leute von Wohlstand und Ansehen und so wurde aus den Bauern die Weber, aus den Webern die Industriellen und später aus den Industriellen die Dienstleister. Der Neid und die Gier wuchsen und wuchsen und jeder wollte immer mehr besitzen und sich bedienen lassen.  Die Welt teilte sich immer mehr in ganz arme Menschen, die sehr viel arbeiten mussten und kaum Geld verdienen konnten und in die Reichen, die jeden Tag reicher und reicher wurden. Die Menschen mussten keine Angst mehr haben, alle Gefahren konnten besiegt werden, sie fürchteten sich nicht mehr vor Göttern, bauten höchste Bauwerke, Raketen und machten grandiose Erfindungen, alles wurde errechenbar und machbar.

Viele Menschen glaubten, Gott spielen zu können und die Herren des Lebens zu sein. Plötzlich tauchte ein winziges Tierchen auf, das sich Virus nannte. Es war so klein, dass es die Menschen nicht sehen konnten. Es befiel die Menschen auf ganz unterschiedliche Weise. Einige wurden krank, andere starben und den meisten geschah nichts. Die Unberechenbarkeit und die winzige Größe machten es unmöglich, das Tierchen namens Virus zu jagen oder es zu töten. Die Menschen gerieten in große Panik und Sorge: Was sollten sie tun? Die klugen Menschen, die alles zu wissen glaubten, verfielen in Schrecken und Ratlosigkeit. Alles geriet durcheinander.

Eines Tages tauchte eine Flaschenpost auf. Ein kleines Mädchen hatte sie gefunden. In der Flaschenpost stand ein Zauberspruch und es stand geschrieben:

Jeder, der diesen Zauberspruch dreimal täglich liest ist vor dem Virus selbst und vor der Virusangst geschützt.

Es sprach sich schnell herum, dass der Virus und die Angst zu bewältigen wären. Die Menschen pilgerten zu dem Mädchen und wollten mit dem Zauberspruch vom Virus erlöst werden. Das Mädchen gab nur Hinweise, den Zauberspruch gab sie nicht preis, auch nicht gegen viel Geld. Es gingen Jahre ins Land, die Krankheit verschwand und viele Menschen fragten sich, was es wohl mit diesem Zauberspruch auf sich hatte?

Eines Tages lüftete ein weiser Mann die Wahrheit über die ungewöhnliche Heilungsgeschichte und den Zauberspruch.

  1. a) denke täglich dreimal an die Ereignisse, die dich glücklich machen und von denen du lernen kannst.
  2. b) danke jedem Menschen, der dir geholfen hat, und helfe anderen.
  3. c) gib jeden Tag etwas von deinem Reichtum an andere, die ärmer sind als du.

Immer mehr Menschen, die diese Sprüche lasen wurden gesund und glücklich. Die Menschen lachten wieder miteinander, sie halfen einander und lernten voneinander. Der Neid und die Gier verschwanden immer mehr und kein Mensch wollte mehr Gott sein. Jahre vergingen und niemand erinnerte sich mehr an einen Virus, der die Menschen früher so krank machte.

In diesem Sinne: nützen auch wir diesen Zauberspruch, er hilft, dass es uns Menschen wieder besser miteinander geht.

Gertrud Müller

Über die Liebe

Bei Hochzeiten wird oft aus dem hohen Lied der Liebe gelesen. Im hohen Lied der Liebe stehen folgende Sätze:

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.

2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und hätte Erkenntnis und allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, um mich zu rühmen, und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze.

Und was ist die Liebe? Warum soll die Liebe mehr wert sein als alle anderen Gaben, mehr wert als Intelligenz und die gute Tat?

Die Liebe ist Verbindung, wir sind energetisch mit allem verbunden. Unsere Zellen sind miteinander verbunden. Erde und Himmel sind über Energie miteinander verbunden. Wir sind in der Gegenwart mit unserer Vergangenheit und der Zukunft verbunden. Wir können Distanz herstellen und bleiben dennoch verbunden in Freud und Leid, in den Erinnerungen. Liebe ist diese energetische Verbindung, die wir jeden Tag aufs Neue wahrnehmen und wertschätzend gestalten können.

Wir sind aus Energie geschaffen, wir können diese Energie spüren oder verleugnen, diese energetische Verbindung bleibt dennoch bestehen. Wir geben unsere Energie weiter und aus der Verbindung dieser Energien entsteht immer neues energetisch geladenes Leben. Die Energie ist ehrlich und messbar, auch wenn wir sie leugnen. Wir können spüren, ob positiv gestimmte Energien uns nützen oder negativ geladene uns schaden. Wenn wir ehrliche, liebevolle Energie spüren und weitergeben, so werden unsere Mitmenschen, die Pflanzen und Tiere in unserem Umfeld dieses spüren.

Liebevolle Menschen haben eine positive Ausstrahlung, sie handeln achtsamer, sprechen wertschätzender, hören zu und zeigen Interesse an ihrer Umgebung. Sie fühlen sich in einem positiv gestimmten Umfeld geachtet. Geben Menschen lieblose Energie weiter, verachten sie andere, erniedrigen sie andere, beuten andere aus oder beschimpfen andere Wesen, oder lassen sich selbst schlecht behandeln, so werden die anderen Wesen das ebenfalls spüren. Somit sind wir, ob wir das leugnen oder wahrhaben wollen, unendlich verbunden durch unsere Energien, durch passende, nützliche Verbundenheit und durch nicht passende, schädigende Verbundenheit. Da wir durch Erziehung und Sozialisation lernen uns anzupassen, verlieren wir zu spüren, wann Energien passend und nützlich sind, wann sie unpassend sind und wann sie schädliche Wirkung haben.

Den handelnden Personen ist die Veränderung von positiver Energie zu negativer Energie nur vage bewusst, erst im Nachhinein durch die Auswirkungen können die meisten Menschen spüren: das habe ich gut gemacht, das ist mir nicht gelungen.

Sind Personen oft in einem negativen Energiezustand, wird sich ihr Umfeld, ihre Beziehung und ihr Schicksal immer mehr verschlechtern, Feindschaften und Unwohlfühlen breiten sich aus. Üben Menschen in negativen Umgebungen immer mehr positive Energien, so werden sich die Beziehungen, das Umfeld und das Schicksal mit der Zeit verbessern. Wenn Menschen in einem positiven Umfeld dauerhaft versuchen, sich gegenseitig zu nützen, sich gegenseitig zu helfen, voneinander zu lernen und miteinander zu teilen, werden sich daraus stabile, wertschätzende, freundliche und gesunde Gruppen und Kulturen entwickeln. Fangen Kulturen an sich zu beleidigen, zu bekriegen, beginnt das Spiel mit dem Leid und negativer Energie von vorne. Diese energetischen Phänomene können wir über die gesamte Geschichte beobachten. Wahrscheinlich heißt es darum in einem Satz des hohen Liedes der Liebe: Die Liebe hört niemals auf.

Verstehen wir den Zusammenhang von Energie und Zusammenleben, dann achten wir auf unsere positiven Energien und auf liebevolles Handeln. Mit Wohlfühlen und Schmerz können wir mit der Zeit immer besser spüren, was guttut, was nützt und was schadet. Die Liebe orientiert sich immer am wechselseitigen Nutzen und versucht Schaden zu vermeiden. Wenn Menschen sich selbst und andere mutwillig schädigen, nennen wir es Hass. Hass entsteht aus tief verletzter Liebe und kann wiederum nur mit ganz viel Liebe geheilt werden. Vielleicht ist jetzt verständlicher: das Höchste, das wir lernen können, ist die Liebe. Wie und wo lernen wir Liebe? Es gibt viele Wege die Liebe zu lernen. Ich lerne und übe diese Kunst der Liebe seit vielen Jahren und stelle täglich fest, wie viel es noch zu lernen gibt. Das Schöne ist, das Potenzial der Liebe ist unerschöpflich, wir können unendlich viel in der Kunst der Liebe lernen.

Übrigens, meine ersten Schritte um die Kunst des Liebens zu lernen, machte ich als junges Mädchen, als ich das Buch von Erich Fromm las: Die Kunst des Liebens. Dieses Buch hat mich so tief beeindruckt, dass ich für mich beschlossen habe, die Kunst des Liebens zu lernen. Und was mir in all den Jahren bewusst geworden ist: ich bleibe eine Lernende.

In diesem Sinne viel Freude beim Lernen der Kunst des Liebens und eine liebevolle neue Woche.

Gertrud Müller

  Fotos: Franziska Neufeld

 

Kann die Erde heilen?

Derzeit hört man viele Weltuntergangsdramen, apokalyptische Vorstellungen. Die planbare Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr. Jeden Tag eine neue Regelung, neue Beschränkungen, andere Vorschriften oder Lockerungen, neue Katastrophenmeldungen, Tote, Sterbende und verhungernde Menschen, verelendete Kinder. Mir sagte neulich eine Kollegin, die Welt ist so zerstört, es ist unmöglich, dass das wieder besser wird. Es gibt eine kurze Anekdote: unterhalten sich zwei Planeten, sagte der erste zum zweiten: „Du siehst ja schlecht aus, was ist mit dir los?“ Jammert der zweite Planet: „Ja es geht mir auch schlecht, ich habe Menschen.“ Darauf der erste: „Ja das kenn ich, das hatte ich auch mal.“

Das Problem auf dieser Erde ist eindeutig: das Denken und Verhalten von uns Menschen!

Unser Verhalten können wir jederzeit ändern. Ein Raucher, der spürt, dass das Rauchen ihm nicht guttut, kann aufhören zu rauchen. Derjenige der aufhört zu rauchen und versucht eine gesündere Lebensart zu erreichen, hat eine bessere Chance gesund zu werden. Wenn wir auf dieser Welt noch länger leben wollen,  haben wir nicht mehr viel Zeit um unser Verhalten hier auf der Erde zu ändern. Jeder weiß, dass die Ressourcen der Erde begrenzt sind. Und doch gibt es die Hoffnung, dass die Erde sich erholen kann, wenn wir der Erde das zurückgeben was wir entnehmen, Kreislaufwirtschaft nennen das die Fachleute. Und auch das Soziale kann wieder heilen, wenn Menschen lernen miteinander zu teilen, einander zu helfen und voneinander zu lernen. Heute verhalten sich viele Menschen auf dieser Erde wie undankbare, rücksichtlose Gäste, die ihren Gastgeber schädigen. Wie bei den Parasiten werden Ressourcen abgegrast, viele Menschen plündern sich gegenseitig aus. Wir lassen uns zu einer ungesunden Lebensweise verführen, die noch mehr Zerstörung möglich macht. Die zahlreichen Demonstrationen nützen nichts, schaden zum Teil, weil sie neue Unruheherde erzeugen, sie erzürnen feindselig-mächtige Herrscherpersönlichkeiten, die daraufhin mit Schlagstöcken und Tränengas um sich werfen. Jetzt soll die Kontrolle mit künstlicher Intelligenz gesteuert werden. Wenn wir nicht in der Lage sind, die eigene Intelligenz zu nützen und zu steuern, wie soll es gelingen, einen Computer mit Informationen zu füttern, die nützlich und wertvoll sind. Uns fehlt vor allem eines: das freundliche und wertschätzende Miteinander: Uns fehlt die Liebe. Das was sich alle Menschen am meisten wünschen, das wird mit Füßen getreten und zerstört. Wenn ein Kind sein liebstes Spielzeug zerstört, halten wir das Kind für aggressiv und wenn ein Kind zuschaut wie andere das Lieblingsspielzeug zerstören, sagen die Eltern zu dem Kind: das ist dumm, du bist zu gutmütig. Und was macht die Masse der erwachsenen Menschen? Sie üben und trainieren feindseliges Verhalten, kultivieren Egoismus oder Duckmäusertum. Menschen, die zur Liebe mahnen, werden auf dieser Welt als Gutmenschen lächerlich gemacht, verletzt und getötet. Solange wir nicht erkennen, dass all unsere Probleme, Krisen und Nöte von unserem eigenen schädlichen Denken, Verhalten und von vielen verletzten Gefühlen herrühren, werden wir die Erde nicht heilen. Wenn wir jedoch mutig, das anschauen, was nicht so gut läuft und aus unserem ungünstigen Verhaltensweisen lernen, dann kann die Erde heilen. Dann können wir liebevolles, wertschätzendes und dankbares Denken, Fühlen und Verhalten üben und kultivieren. Und wir können der Erde wieder zurückgeben, was wir entnehmen. Wenn wir dieses Verhalten jeden Tag üben und uns gegenseitig ermutigen, dann können Mensch und Natur wieder in mehr Harmonie miteinander leben.

Machen wir uns auf den Weg jeder an seinem Ort und üben wir jeden Tag neu ein freundliches und wertschätzendes, naturfreundliches Verhalten. Wenn uns das immer mehr gelingt, dann leisten wir einen entscheidenden Beitrag, dass die Menschheit und die Erde heilen kann.

In diesem Sinne ermutigen wir uns immer wieder zu wertschätzendem, verantwortungsvollem und gastfreundlichem Verhalten auf diesem wunderbaren Planeten.

Eine schöne neue Woche

Gertrud Müller

Foto: Franziska Neufeld

 

Loslassen

Vor einigen Wochen bat mich eine Frau einen Blog über das Loslassen zu schreiben. Das mache ich sehr gern. Vor allem, weil ich merke, dass es vielen Menschen schwerfällt loszulassen, obwohl es recht einfach sein kann. Hier ein Beispiel: Wenn ich einen größeren Einkauf mache und die schweren Taschen schleppe und ziehe, ist das sehr mühsam. Wenn ich zuhause ankomme, die Taschen loslasse und auspacke, wenn ich alles an den richtigen Platz ordne, dann sind meine Hände wieder frei und ich kann mich einer anderen Sache widmen.

Im geistigen Sinne ist es ähnlich. Wir erleben vieles: Menschen, die uns freundlich begegnen, Menschen die ungeschickt sind; wir begegnen Menschen, die wir als rüpelhaft, achtlos oder gemein bezeichnen. Wir erleben Krankheit, Gefahren, hören schlechte Nachrichten und erleben viel Drama. Die meisten Menschen kennen ihre Mitmenschen nicht und urteilen dennoch über deren Verhalten. Im Leben kaufen wir Vorurteile, Meinungen und Glaubenssätze ein und wenige Menschen ordnen diese Meinungen, Vorurteile und Glaubenssätze, so verstricken sie sich miteinander zu einem wirren Gedanken- und Gefühlsknäuel. Diese wirren Gedanken und Gefühlsknäuel werden in jede neue Situation mitgenommen, wie schwere Einkaufstaschen. Ist es ein Wunder, dass wir Menschen, die so vollbepackt durch das Leben laufen und nicht mehr an Neues und Frisches denken, als seltsam wahrnehmen?

So wie wir den Einkauf heimtragen und ordnen, so ist es auch wichtig zu schauen: was habe ich heute für Gedanken und Gefühle bei meinen Erlebnissen eingepackt? Habe ich das erlebt, was ich erleben will? Wenn ich unschöne Dinge erlebe kann ich mich fragen: warum begebe ich mich in solche Situationen? Wenn ich „falsche“ Menschen treffen und mit ihnen spreche, kann ich überlegen: was genau hat mich gestört, warum hat es mich gestört, wie kann ich beim nächsten Mal mit der Situation anders umgehen? Wenn wir unsere Erlebnisse jeden Tag auspacken und einordnen, dann können wir loslassen und immer wertvolleres Fühlen, Denken und Handeln üben.

Und wenn wir das lang genug tun, dann können wir, wie der Held im Märchen, sagen: “Es war einmal, dass mich so viele Sorgen und Probleme belasteten. Jetzt bin ich frei und dankbar und freue mich auf jeden neuen und frischen Tag, auch, wenn mir wieder viele schwerbepackte Menschen begegnen.”

Eine schöne neue und frische Woche

Gertrud Müller

Photo: Susann

 


					

Wunder


Ein wunderbares Photo von Franziska Neufeld


Wunder, das einfachste
, billigste und jederzeit verfügbare Allheilmittel der Welt:

Wunder geschehen, jedoch bisher unerklärbar. Vorstellungen sind in der Lage Krisen, Krankheiten, die finanzielle Situation und Konflikte  zu verschlechtern und zu verbessern. Das ist eine alte Menschheitserfahrung, die jeder Arzt kennt, jeder Lehrer, jeder Unternehmer.  In der Bibel wird dieses Phänomen mit dem Jesus-Zitat beschrieben: „Dein Glaube hat dir geholfen“

Was passiert genau mit der Vorstellung und ihrer Wirkung in der materiellen Welt. Wie ist es zu erklären, dass sich einige Vorstellungen verwirklichen und andere nicht? In der Psychologie wird diese Art der Vorstellung als  self fulfilling prophecy beschrieben und mit dem Phänomen der Präkognition erklärt. Je stärker eine Vorstellung zum Wunsch wird, desto mehr Anstrengungen wird eine Person unternehmen diesen Wunsch als Ziel zu erreichen. Diese Energie lässt Vorstellungen zu Wünschen, Wünsche zur Suche und in der Folge zum Handeln werden. Das ist unsere angeborene Fähigkeit immer wieder Möglichkeiten des Überlebens zu suchen und zu finden. Jeder Mensch hat durch seine Erfahrung gewisse Vorstellung wie Krisen und Krankheiten zu bewältigen sind. In der heutigen Zeit sprechen wir oft von Kampf. Es wird uns gesagt wir müssen die Krankheit bekämpfen, den Tod bekämpfen, die Krisen bekämpfen. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass gerade durch diesen Kampf sich manches sogar verschlechtert. Die größten Wunder konnte ich beobachten bei Menschen, die aufhörten zu kämpfen und für sich beschlossen ich akzeptiere die Krise, die Krankheit, den Kummer und mache das Beste daraus.  Ob es schwere Krankheiten sind, Liebeskummer, finanzielle, berufliche Krisen, soziale Krisen, alle negativ erlebten Erscheinungen verbessern sich durch ein Zusammenspiel von Vorstellung, Lernen und Kooperation mit anderen Systemen, Arten und Wesen. Darwin hat dieses Phänomen beschrieben  als „survival of the fittest“ Im kämpferischen Denken und der kämpferischen Sprache wurde dieser Satz übersetzt als das „das Überleben der Stärkeren“. Kämpfende, sich bekriegende Systeme und Parasiten haben in der Natur jedoch weniger Überlebensvorteile, sie vernichten sich entweder selbst, bleiben in einer leidenden Entwicklungsstufe und sterben früher. Am nachhaltigsten und besten überleben zuversichtliche, kooperative und lernende Systeme. Warum ist das so. Die Materie, Atome, Moleküle, Zellen, Gene, Organisationssysteme wie Gehirn, Nervensysteme,  Immunsystem usw. sind mit der Möglichkeit von Kooperation ausgestattet um Funktionen weiterzuentwickeln. Die ganze Evolution baut auf dieser Entwicklung der Erweiterung von Funktionen auf. Durch die Vorstellung ich will mit der Krise, der Krankheit mit dem schwierigen Partner mit der Krankheit leben lernen wird schon die erste Idee von der Weiterentwicklung einer Funktion geweckt. Wird diese Idee stärker und nachhaltig verfolgt, dann üben die Systeme neue Strategien, es werden neue Wege gesucht, dann etablieren sich neue Kooperationen und neue Systeme entstehen. Mit dem Erleben der Verbesserung etablieren sich positive Lernerfahrungen und der Auftrag an die lebensfördernden Systeme und Energien nimmt zu. Dieser Prozess regt alle Mechanismen des Lebens und Überlebens an: Neuroplasizität, Epigenetik, Neurotransmitter, Suchsysteme etc. können aktiviert werden. Je mehr Systeme lernen und kooperieren desto stabilerer wir ein neues Gleichgewicht. Diese Prozesse sind unsichtbar von außen und treten zeitweise relativ plötzlich in Erscheinung, das bezeichnen wir als Wunder. Wir haben in der zivilisierten Welt nur teilweise gelernt, die Wirkung dieser kooperierenden und lernenden Systeme zu verstehen und zu nützen. In den westlich rationalen Vorstellungen zerstören wir häufig kooperierende und lernende Systeme, weil der Mensch als homo sapiens glaubt die Natur beherrschen zu müssen. Genau das verhindert Spontanheilungen und Wunder. Wir vertrauen Technik und Medizin, Waffen, Gesetzen und einer kriegerischen Politik und Wirtschaft mehr als den lebensfördernden Schätzen der Natur. Wir können das jederzeit umstellen und zuversichtlich sein, lebensichernde und lebensschützende Systeme sind überall in der Natur vorhanden, diese Möglichkeiten sind immer wieder einsetzbar und trainierbar. Wir tragen in uns eine kostenlose Naturmedizin überall und jederzeit in unserem Körper, in unseren Gedanken und Gefühlen. Jesus, die Heiligen und alle Patienten, die spontan geheilt sind, haben diese Systeme von Vorstellung, Suche, Handlung und Kooperation genutzt. Viele Menschen überlebten damit Krieg, KZ und lebensbedrohliche Krankheiten und Unfälle. Wunder geschehen nicht nur bei Christen, sondern überall auf der Welt bei Angehörigen aller Religionen und bei Atheisten, die ihren Wünschen und Vorstellung vertrauen und danach handeln. Wunder sind kein Mysterium. Wunder ist die optimale Kooperation der natürlichen Überlebenssysteme in Vorstellung, Lernen, Handeln und Kooperation. Es kann jedoch nur der mit einem Wunder geheilt werden, der sich eine Besserung vorstellen kann, der lernt, nach diesen Vorstellungen handelt und kooperiert.

Es ist somit beides richtig: Menschen können Wunder erleben und Menschen können keine Wunder erleben. 

Ich wünsche uns immer wieder die Idee, dass sich Situationen und Umstände verbessern können, den Fleiß zu lernen und die Bereitschaft zu kooperieren. Das sind die Zutaten aus denen Wunder gemacht sind. 

© Dr. Gertrud Müller

 

Humanum est discipuli et cooperantem

Seit der Antike versuchen sich die Menschen vorzustellen, wer der Mensch ist. Diese Vorstellung des Menschen von sich selbst prägt die Handlung, die Wirkung der Handlung und damit die Realität. Wir stellten uns über lange Zeit vor, der Mensch könnte ein homo sapiens sein. Der weise Mensch, der wir gerne wären. Immer wieder streben Menschen an, den Zustand des weisen Menschen zu erreichen. Deshalb gibt es in der Geschichte viele Erzählungen über herausragende und weise Persönlichkeiten. Die Geschichte lehrt uns auch, dass es sehr grausame Menschen gibt, die weit davon entfernt sind, weise zu sein. In den Geschichtsbüchern wird beschrieben, wie viel Macht und Einfluss sich diese Menschen verschaffen konnten, weil sie andere gnadenlos unterwarfen. Und es gab und gibt genügend Mitläufer und Untertanen, die für gnadenlose Gebieter töten.

Eine andere Vorstellung, dass der Mensch Gott sein könnte, beschreibt Yuval Noah Harari im Buch HOMO DEUS. Auch dieses Menschenbild ist sehr verbreitet. Der gottgleiche Mensch, der die Welt und die Naturgesetze beherrscht und neu organisieren will. Von diesen Menschen gibt es z.Z. auch sehr viele. Das Problem ist nur, dass jeder dieser selbst ernannten Götter glaubt, er allein hätte das Rezept für die richtigen Handlungen, ja sogar für die neue Weltordnung.

Dazu gibt es übrigens einen schönen, sehenswerten Film “Bruce allmächtig”. Er zeigt, wie es aussieht, wenn Menschen glaubensie hätten göttliche Fähigkeiten. In der Soziologie werden Menschenbilder beschrieben, die aktuell gelebt werden. Der homo oecomomicus, der Mensch der dem Geld nachläuft, eine weitverbreitete Spezies. Der emotional man, der Mensch, der alles über Gefühle regelt oder der Identitätsbehaupter, der ständig seine Identität zur Schau stellen muss.

Ich glaube, es würde uns Menschen guttun, wenn wir uns eine etwas bescheidenere Vorstellung des Menschen machten. Der Mensch der Zukunft könnte der lernende und kooperierende Mensch sein, Humanum est discipuli et cooperantem

Wenn wir uns als Menschheit eingestehen, dass wir vieles noch nicht wissen und Möglichkeiten haben Neues zu lernen, würde uns das den Druck nehmen immer der Beste, der Klügste und der Tollste sein zu müssen. Und wenn wir mit anderen kooperierten, dann fühlte sich das Leben nicht mehr so einsam an. Ich helfe anderen und kann vertrauen, dass andere mir helfen werden. Das Menschenbild von einem lernenden kooperierenden Menschen kann eine große Befreiung sein. Stellen Sie sich vor wie schön unsere Welt schon morgen sein könnte, wenn die großen mächtigen Herren dieser Welt heute die Vorstellung von sich hätten, lernende und kooperierende Wesen zu sein.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen die Fähigkeit täglich Neues zu lernen und die Freude anderen Menschen kooperativ und wertschätzend zu begegnen.

Eine lehrreiche und harmonische Woche

Gertrud Müller