Mauerbau

1989 jubelten und weinten wir vor Freude, endlich durften sich Menschen von Ost und West begegnen. Nie mehr sollte Ähnliches passieren. Wir glaubten verhindern zu können, dass Menschen getrennt oder entzweit werden. Und jetzt ist es ein Virus, das Familien, Staaten, uns Menschen trennt. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass im freien Europa wieder Grenzen geschlossen werden würden. Es sind keine realen steinernen Mauern, die zur Zeit entstehen und errichtet werden, es sind Mauern des Schutzes, aber auch Mauern der Angst.
Die Regierung setzt wegen Seuchengefahr das Militär im Staatsinneren ein und zwingt die Menschen zur Immobilität, Versammlungen jeder Art sind unmöglich. Die Grenzen zwischen den Menschen werden spürbarer. Kein Händedruck, keine Umarmung. Selbst Kirchen können Menschen keine Zuflucht, keine Möglichkeit der Versammlung mehr bieten.
Ist das jetzt das Ende des Zusammenlebens, das wir bisher kannten? Wird es uns gelingen, das Leben durch und nach der Coronakrise zu verbessern?
Zum ersten Mal spüre ich ganz persönlich, wie sich Menschen früher im Krieg gefühlt haben müssen, als ihre Lieben bedroht waren, als Kontakte verboten oder unerwünscht waren und die eigene Meinung hinter einer Kollektivmeinung zurückstehen musste. Als ich meiner 91-jährigen Mutter zum letzten Mal zuwinken durfte, bevor sie ganz hinter den Mauern des Seniorenheimes verschwand, spürte ich, wie sich Menschen beim Mauerbau gefühlt haben durften. Werden wir uns wiedersehn?
Die momentane Entwicklung betrifft mich ganz persönlich, nicht nur wegen meiner Mutter. Ich kann auch nicht mit meiner Tochter, mit meinem Enkel und deren Familie Ostern feiern, weil sie im Ausland leben.
Es stimmt nachdenklich, dass trotz Technik und Wissenschaft die weltweiten Probleme nicht abnehmen, sondern sich eher verschlimmern und verdichten. Es ist jedoch gerade jetzt in dieser Krise wichtig, nach vorne zu schauen und das Positive und die Chancen zu sehen: die Umwelt wird sehr schnell und deutlich entlastet und kann sich erholen, eine flexiblere Arbeit und Beschulung ist möglich geworden.
Und wir müssen, dürfen und können unsere Gemeinschaft und Gesellschaft mit gestalten. Wir dürfen Zukunftsfragen stellen: Wie kann unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen? Gestalten wir aus Fürsorge unbemerkt eine weltweite Angstkultur? Gelingt es uns, aus Krisen zu lernen und respektvoller miteinander umzugehen? Gelingt es uns, eine gesunde, erfolgreiche und menschenwürdige Zukunft für uns alle zu gestalten?
Ich denke, wir können bei allem Krisenmodus ein waches Auge behalten, welche Wirkung und Nebenwirkungen diese Krise und deren Behandlungen hervorrufen.
In diesem Sinn, bleiben wir gesund und wachsam und hüten wir unsere Mitmenschlichkeit, unsere Freude und unsere Freiheit.
Eine freie und menschenwürdige neue Woche!
Gertrud Müller
Foto: Franziska Neufeld

Korona-ADE

Diese Woche stelle ich mich am Morgen wieder auf meine Waage, es tut sich nix. Ich suche nach dem Batteriefach, kaufe neue passende Batterien, tut sich immer noch nix. Vielleicht, denk ich mir, bin ich dem guten alten Stück einfach zu belastend geworden. Ich schau nochmal, ob sich nicht doch noch was reparieren lässt, ich will ja Ressourcen schonen. Da entdecke ich die Marke, das gute Ding heißt doch glatt Korona. So ein Zufall, gerade zur Coronakrise gibt meine Korona den Geist auf. Ich überlege mir, soll ich Korona wirklich reparieren? Nein, ich glaub, es ist besser für mich, Korona zu entsorgen.
Ich hab beim Neukauf jetzt genau auf die Marke geachtet. ADE heißt die Neue. Auch gut, dann heißt meine Story jetzt: Korona-ADE.
Wie sagen die Buddhisten? Alles ist vergänglich, Corona, Korona und dann ADE.
Da meine Korona jetzt entsorgt ist, hab ich beschlossen, ich stelle mich jetzt schon mal auf die Postcorona-Ära ein. Ich mach schon mal vorsorglich mein Testament (für den worst case) und mach genügend Sport, dass ich fit bin, falls ich den nächsten Halbmarathon noch erlebe. Wenn man so a Krise überleben möcht, dann scho gscheid. Und wer weiß? Vielleicht gelingt es mir tatsächlich, endlich mal die 10 Kilo abzunehmen, die ich schon lange loswerden will, damit ich meine gute neue Waage nicht mehr so belaste.
Übrigens, hier die Beweisphotos von der alten Korona, der neuen ADE und der Entsorgung.


Wenn ma in Coronazeiten scho koa Politikerderblecka mehr ham, dann müass ma uns hoid seiba was Lustigs eifoin lassn.
In diesem Sinne Korona-ADE
Gertrud Müller

Enassi

„Was  sind Enassi“? fragte Louise.
„Enassi sind Gleichmacher so wie diese“:
„Warum machen Gleichmacher alles gleich?“
„Sie haben Angst etwas wird ungleich im Reich.“
Enassi ordnen alles in Klassen und Normen
Sie ordnen alles in Gruppen und Formen
Alles gleiche muss zusammengehören.
Gleiche müssen Einheit beschwören!
Sind sie erst gleich, dann ist es gut,
dann trauen sich andere nicht und sie haben Mut.
Als Gleiche sind sie stark und können sich wehren.
Gegen das Böse der Anderen mit scharfen Gewehren.
Als Gleiche gehen sie im Gleichschritt einher
und bilden ein großes mächtiges Heer.
Die bösen Anderen, die ungleichen Fremden,
die mit den anderen Hosen und Hemden,
die wollen wir nicht in unserem Land,
deshalb werden sie schnell wieder verbannt.
So lebt die Menschheit wie im großen Zoo,
und wird gefüttert, gemästet von irgendwo.
Im eigenen Käfig sind nur die Gleichen.
Die Fremden mussten in andere Käfige weichen.
„Oh Schreck, schau her, der Käfig ist offen.“
Oh je, jetzt sind alle total betroffen.
„Was machen wir jetzt mit den anderen Viren?
Mit den Menschen, die in Armut vor unserer Haustür erfrieren?“
Alle Gleichen rennen ungleich durcheinander.
Die Verwirrung ist groß, wie schaffen wirs jetzt miteinander?
„Was machen wir jetzt mit den offenen Türen im Zoo?“
Louise meint:
„Wir gehen einfach ins Nirgendwo.
Vielleicht finden wir dort ein Land,
in dem wir alle ungleich sind und doch verwandt.“
©Dr. Gertrud Müller

Einen schönen neue Woche

Gertrud Müller

Aufenthaltsbestimmungsrecht

In der Natur und der natürlichen Tierwelt halten sich die Lebewesen dort auf, wo es ihnen am besten geht und wo sie am besten gedeihen. In der menschlich gelenkten Welt werden Menschen und Tiere gehalten und verwaltet, in Orten und Staaten, in Kulturen und Religionen, in Arbeitswelten, in Industrie und Landwirtschaft, gebunden durch Grenzen, Gesetze, Verwandtschaftsbeziehungen, Geld und Marktchancen.
Wer sich wo auf der Welt aufhalten darf, ist durch Gesetze und Völkerrechtsabkommen genau geregelt. Derzeit sehen wir deutlich, welche Spannungen zwischen dieser natürlichen und der von Menschen geschaffenen Weltordnung entstehen. Es gibt Menschen, die vertrieben werden, und andere, die vor Kriegen fliehen. Es gibt die Eingesperrten in Gefängnissen, in Internierungs- und Flüchtlingslagern. Neuerdings werden Menschen wegen des Coronavirus zum Hausarrest verpflichtet.
Wir nennen uns zivilisierte Menschen und haben trotzdem mit dem Thema Freiheit und Ordnung noch große Probleme. Wir halten uns mehr an die menschlichen Gesetze als an die natürlichen Gesetze. Vielleicht können wir auch hier von der Natur lernen. Alle Zellen und Gestirne haben Handlungsspielräume und halten sich dennoch an die höhere Ordnung. Vielleicht haben wir diese höhere Ordnung einfach noch nicht verstanden. Vielleicht finden wir eines Tages eine Weltordnung, in der sich die Menschen dort aufhalten können, wo sie sich wohlfühlen und nicht dort, wo sie festgehalten werden.
Ich wünsche uns allen Freiheit und Geborgenheit, mit der wir uns wohlfühlen.
Eine schöne, neue Woche
Gertrud Müller

Monokulturen

Foto Franziska Neufeld

Die moderne auf wirtschaftliche Gewinne ausgerichtete Welt denkt in Massen.
Massen an Lebensmittel, die hergestellt werden, Massen an Autos, die produziert werden, Massen an Menschen, die Arbeit brauchen, Massen an Geld das in Geldströme geleitet wird.
Will man Massen verwalten, braucht man ein Gleichgewicht von Regulierung und Freiheit.
Landwirtschaft, Medizin, Bildung und Wirtschaftsgüter sind heute auf Normen getrimmt.
Monokulturen, Normgröße der Früchte, die normierte Lebensleistung der Milchkuh,
die gesetzliche Norm des Saatgutes, Normwerte in der medizinischen Diagnostik, Standardbehandlungen, Normleistungen der Kassen.
Die Bildung wurde normiert auf anerkannte Bildungsstandards, Mode richtet sich nach Norm-Kleidungsstilen, die Gesellschaft ordnet sich in schichtspezifisch normierte Lebensstile.
Sowohl Menschen als auch Pflanzen lassen sich in solchen Strukturen führen, jedoch nur für begrenzte Zeit. Jedes vom Menschen konstruierte und kontrollierte Gleichgewicht der Massen löst sich wieder auf. Sei es nach einem Konzertbesuch, wenn das Event vorüber ist. Nach einer Wahl, wenn die Regierung wechselt oder durch Krieg und Tod, sobald Systeme nicht mehr funktionieren.
Viele Menschen sehnen sich nach Normen, die unsere Welt ordnen, sie sind bereit sich einzuordnen um nicht aufzufallen.
Es gibt aber auch die sogenannten „Störer“, Menschen, Tiere und Pflanzen, die sich nicht in Regularien einordnen lassen. Gerne werden diese Wesen aussortiert, als abnormal betrachtet, abgewertet, ausgegrenzt, verfolgt. Dieses Sortieren nach guter Norm und böse Störer verursacht weltweit Auseinandersetzungen.
Wir sollten stattdessen solche Störer willkommen heißen, sehen wir doch, das unsere Regularien löchrig sind. In Asien gibt es das Yin und Yang-Symbol, aus der Wissenschaft wissen wir, dass alles nach Austausch und Verbindung strebt. In diesem Spiel von Freiheit und Ordnung gibt es keine gute Norm und böse Störer.
Betrachten Sie einmal Blätter, Blumen und Tiere. Keines gleicht dem anderen, selbst wenn sie ähnlich sind. In der Natur existiert weder totale Gleichheit noch totale Verschiedenheit. Das ist der Zauber, der die Natur so faszinierend macht. In der Natur sind alle Wesen gleich wertvoll, sie haben gleiche Bestandteile und sind doch verschieden. Wenn wir diese Lektion von der Natur lernen, dann kann es uns allen wieder gut gehen, wir sehen das Verbindende und achten das Andere und Fremde.
Ich wünsche uns allen, dass wir die Denkkategorien von normal und unnormal ablegen und einfach wieder die Schönheit in Ähnlichkeit und Verschiedenheit entdecken können.
Eine schöne neue Woche
Gertrud Müller

Wandel und Beharrlichkeit

Geburt und Sterben sind wohl die deutlichsten Formen des Wandels. Eine Zustandsform vergeht und eine neue Form entsteht. Unsere Sinne sind begrenzt und wir lernen eher objektbezogen und in Kategorien zu denken, wir lernen uns an Normen anzupassen.
Viele Formen des Wandels sind dadurch für uns Menschen fremd, kaum zu erkennen und noch weniger zu verstehen. Werden und Vergehen geschieht meist im Verborgenen. Unsere Beobachtungsgabe und sogar die bisherigen technischen Hilfsmittel versagen, wenn wir diese Übergänge erforschen, erklären und verstehen wollen. Vergänglichkeit ist nicht berechenbar und ängstigt.
Früher hatten die Menschen Angst vor Gewitter, weil sie sich die Phänomene der Atmosphäre nicht erklären konnten, sie glaubten, es seien Götter am Werk. Heute verfallen Menschen in Angst und Schrecken, wenn sich funktionierende Systeme verändern, wenn sich die Natur gegenüber den übermäßigen menschlichen Eingriffen wehrt. Es macht Angst, wenn sich bisherige Vorstellungen und bisheriges Wissen als unwahr erweisen. Menschen reagieren mit Zurückhaltung bei neuen Entdeckungen, neuen Erkrankungen, neuen politischen Konstellationen, bei neuen Entwicklungen und Zusammenbrüchen von scheinbar Bewährtem.
Um dieser Unsicherheit des Wandels nicht zu begegnen, versuchen Religionen, Staaten, Parteien, Organisationen, Familien und Einzelpersonen dem Wandel mit Macht eine Form menschlicher Beharrlichkeit entgegen zu setzen: mit Tradition, Konvention, Gesetze, Statik. Die meisten Menschen glauben, wenn wir alles belassen wie es immer war, dann brauchen wir die Angst vor Veränderung nicht auszuhalten. Wie schwachsinnig sind diese Thesen.
Stellen Sie sich vor, eine Mutter würde nicht ertragen, dass ihr Kind größer wird, und steckte es in zu kleine Kleider. Oder eine andere könnte es nicht abwarten, bis ihr Kind groß ist und kleidete das Baby in viel zu große Kleider, stellte ihm Aufgaben, die es nicht lösen kann. Bei diesen Beispielen zeigt sich ganz klar, wie unsinnig es ist, sich dem Wandel durch eigene Vorstellungen zu widersetzen.
Warum verhalten wir uns in der Wirtschaft, der Medizin, in religiösen Vorstellungen und im sozialen Leben so? Warum halten wir Kranke, die sterben möchten am Leben und helfen anderen nicht, wenn sie im Kriegsgebiet leben oder im Meer zu ertrinken drohen? Warum verbieten wir Menschen zu heiraten und zwingen andere in Gewaltbeziehungen, die sie nicht wollen? Warum züchten wir Kühe, die übermäßig Milch geben müssen und zwingen Früchte mit Dünger zum schnelleren Wachstum? Warum ernten wir unreife Früchte, vernichten die organisch gewachsene Natur, die Pflanzen und Tiere, um statt dessen Welt- und Geldmärkte, Waffenparks, Ölbohrinseln und Roboter zu erschaffen? Glauben wir wirklich, die Welt als Menschen regieren zu können, oder über den Gesetzen des Universums zu stehen? Glauben wir, den natürlichen Wandel und die natürliche Beharrlichkeit der Natur aufhalten, beschleunigen oder verlangsamen zu können?
Vielleicht lernen wir eines Tages wieder die natürliche Geschwindigkeit zu schätzen und versuchen nicht mehr, alles und jedes zu hetzen und in Norm-Gesetze zu pressen. Vielleicht lernen wir eines Tages, dass es Energien raubt, wenn wir die natürliche Ordnung vergewaltigen, nur damit sie in die einschränkenden Norm-Vorstellungen unseres menschlichen Denk- und Gefühlsapparates passt.
Ich wünsche uns allen viel Offenheit und Freude, damit wir wieder die Harmonie des natürlichen Wandels und der natürlichen Beharrlichkeit entdecken und genießen können.
Eine schöne neue Woche
Gertrud Müller
Foto: Franziska Neufeld

Artig und verbogen

Die meisten Kinder kommen gesund, vital und lebendig auf die Welt. Was passiert in ihrer Entwicklung, wenn aus gesunden, vitalen und lebendigen Wesen später oft ganz andere Wesen werden? Menschen, die wie angepasste Roboter leben. Jugendliche, die achtlos, aggressiv oder kriminell werden. Erwachsene, die macht- und geldgierig oder Gewaltstraftäter sind.
Wir projizieren oft die Schuld von Missständen auf einzelne Personen ohne unsere Systeme zu hinterfragen. Was und von wem haben diese Personen gelernt? Was wurde Ihnen gelehrt? Was macht uns die Gesellschaft vor? Was erlauben wir den Mächtigen? Was verlangen wir von Statusniedrigeren und welche Formen der Hektik, der Ausgrenzung und Erniedrigung tolerieren wir? Welche Formen von Gewalt und Gewaltdarstellung dulden und verherrlichen wir?
Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dürfen wir uns nicht in der eigenen Komfortzone einrichten und warten, dass andere etwas ändern. Jeder ist gefragt, jeder ist verantwortlich, wir sitzen alle im gleichen Boot, als Gäste dieser Erde. Und es liegt in unserer Verantwortung, diese Erde als schönen Ort zu erhalten und an die nächste Generation weiter zu geben.
Seien Sie weder artig noch lassen Sie sich verbiegen. Fragen Sie sich, was Sie zu einer besseren Welt beitragen können. Wie kann die Wohnung, die Familie, die Partnerschaft, die Arbeitsstelle eine schönere, wertvollere Umgebung werden?
Wie kann der Mensch mehr Achtung vor der Natur haben? Von wem können wir Gutes lernen?
Wenn Sie die beste Version ihrer Selbst werden, dann sind Sie ein Leuchtturm für andere und inspirieren Ihre Mitmenschen, damit auch sie eine schöne bessere Welt ermöglichen!
Und wenn die meisten Menschen bereit sind, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren um eine schöne Welt zu gestalten, dann haben wir auch wieder genügend Kraft, in Ruhe und Würde denen zu helfen, die das noch nicht gelernt haben.
Eine schöne neue und inspirierende Woche
Gertrud Müller

 

Ansteckend

Momentan gibt es viele Nachrichten über Ansteckung: Ansteckungswege, Krankheitsfälle nach Ansteckung, ansteckende Keime, Schutz vor Ansteckung…
Es gibt in unserer Sprache auch andere Formen der Ansteckung:
Ein ansteckendes Lächeln, wenn Menschen sich freuen, ansteckende Hoffnung, wenn Menschen sich bei Krankheit und Not unterstützen, eine ansteckende Zuversicht, wenn lebensrettende Aktionen starten, ansteckende Motivation, wenn Menschen sportliche Ziele erreichen und Berge besteigen, ansteckende Leidenschaft, wenn Wissenschaftler an Möglichkeiten des Fortschritts arbeiten, ansteckender Mut, wenn Menschen Ungerechtigkeit, Lügen und Missbrauch aufdecken, ansteckende Hilfsbereitschaft, wenn Menschen sich gegenseitig bei Katastrophen helfen.

Forschungen belegen, dass Menschen mit einer positiven und zuversichtlichen Lebenseinstellung besser vor Not, Krankheiten oder Infektionen geschützt sind.
Wenn wir immer wieder an unser ansteckendes, positives, menschliches Potenzial denken, gute Taten tun und gute Nachrichten verbreiten, dann stecken wir die Welt mit Liebe und Zuversicht an und Angst, Enttäuschung, Zweifel, Streit, Krankheit, Not und Hass haben immer weniger Platz auf dieser Welt.
Eine schöne neue Woche! Lassen wir uns anstecken mit Liebe und mit positiver Wertschätzung, mit Lebensfreude, Ehrlichkeit und Mut.
Gertrud Müller

Krank oder gesund

Sind Sie gerade gesund oder krank? Wir sagen: Ich bin gesund, oder: Ich bin krank.
Was bedeutet diese Zuordnung? Wenn wir es genauer betrachten, wird diese Aussage ungenau. Solange ich sagen kann, ich wäre krank, bin ich noch nicht vollkommen krank. Der Mund und das Gehirn funktionieren noch. Genauer gesagt, müssten wir sagen: Ich fühle mich krank, oder: Mein Körper leidet an einer Schwäche, an einer Störung in einem Bereich, andere Bereiche sind gesund. Wichtig ist außerdem die Veränderbarkeit dieses Zustandes. Die Symptome verändern sich bei einer Krankheit, sie sind nicht statisch. Es gibt bessere und schlechtere Tage. Ganz entscheidend ist auch wie Kranke selbst und deren Umfeld über die Krankheit sprechen.
Wir sprechen von heilbaren und unheilbaren Krankheiten und stellen gleichzeitig fest, dass selbst unheilbare Krankheiten aussterben können.
Wer fühlt sich heute noch von Pocken oder Pest bedroht? Wer hätte in den 90er Jahren gedacht, dass es für AIDS Medikamente geben könnte? Krankheiten sind für uns dann schlimm, wenn sie nicht greifbar, nicht verstehbar sind, wenn es keine Aussicht auf Besserung gibt. Manche Menschen brauchen andere, die an ihre Kräfte glauben, einen Zuversicht gebenden Arzt, einen liebenden Partner. Einer der dich liebt, auch wenn du krank bist. In manchen Familien gibt es mehr Krankheiten und in anderen weniger. Es gibt auch Gesunde, die Angst vor Krankheit haben und Kranke verunsichern oder ausgrenzen. Gesundheit ist ein hohes Gut, aber das kann sich schnell ändern, wie z.B. ein Hörsturz oder aktuell die Coronavirusinfektion.
Wir Menschen können Krankheiten gemeinsam oft mutiger begegnen. Ärzte können neue Therapien entdecken, Epidemiologen können die Infektionswege erkennen und vermindern. Patienten selbst können neue Ansätze finden, durch Natur, Sport, Ernährung, Entspannung, liebevolle Beziehungen und Lebenssinn. Wir können durch gemeinsames Forschen und gegenseitige Unterstützung lernen, eine Krankheit zu überwinden.
Wir verbreiten mit Krankheit oft viel Drama und Hysterie. Krankheit kann immer auch den Hinweis auf ein besseres Leben geben. Jeder Kranke kann sich fragen: Was kann ich verändern, in meinem Alltag, in meinen Beziehungen? Kranke, die glauben die Krankheit wäre ein Schicksal und niemand könnte sie behandeln, verlieren Mut, verlieren Hoffnung und Zuversicht. Kranke, die Krankheit als vorübergehenden Zustand und als Herausforderung betrachten, können glauben, vertrauen und wieder genesen.
Haben Sie schon mal Wasser beobachtet? Wasser ist mal Dampf, mal Flüssigkeit oder mal Eis und doch bleibt es Wasser, es wechselt lediglich den Aggregatzustand. Genau so ist es mit Krankheit. Wir können bei Krankheit an einen Schneemann denken. Genau wie dieser Schneemann schmilzt und verschwindet, genauso kann eine Krankheit unbedeutend werden. Krankheit und Gesundheit sind Zustände des Körpers, die sich verändern.
Und jede Krankheit, die überwunden wird, macht auch den anderen Mut. Es gibt immer Menschen die das scheinbar Unmögliche schaffen, vielleicht sind Sie ja der Erste, der ihre Krankheit übersteht. Es hat immer welche gegeben, die etwas Neues schafften. Nur so entwickeln wir uns als Menschheit weiter. Pioniere zeigen uns den Weg, werden wir selbst zu einem Pionier und zu einem Vorbild für andere!
Eine schöne neue und zuversichtliche Woche mit viel Pioniergeist.
Gertrud Müller

Hinter den Wolken

Hinter den Wolken,
Als Menschen sehen wir immer nur das Vordergründige. Das Überdeckte, Versteckte, Verborgene können wir nur erahnen, erschließen, suchen, erwarten oder entdecken.
Wir sehen die Sonne hinter den Wolken nicht und wissen doch, dass sie da ist, wir sehen in der Freude die Trauer nicht und in der Trauer nicht die Freude. Wir sehen das Baby in dem alten Menschen nicht und im Baby nicht den Erwachsenen, der entstehen wird. Wir sehen Momentaufnahmen, jedoch nicht den Prozess der Veränderung. Wir sehen den Schmetterling, der aus der Raupe entstanden ist und doch können wir die Impulse, die diese Veränderung auslösen, nicht erkennen. Im Film und in Geschichten lassen sich Prozesse abbilden und erzählen. Es ist die Frage, ob wir Prozesse nicht sehen können, ob wir verlernt haben Prozesse zu sehen oder ob wir dynamische Denk- und Wahrnehmungsmuster noch nicht erlernt haben. Immerhin können wir mit Computersimulation Prozesse abbilden oder entwerfen. Wir können aus Erfahrungen erschließen, wie das Wetter wird, ob ein Engagement sich lohnen wird, ob wir ein Ziel erreichen können. Eine Garantie haben wir nicht. 

Derzeit ist viel im Umbruch, in der Umwelt, in der Forschung, wir befinden uns mitten in einem enormen Prozess der Veränderung, einem kollektiven Lernprozess, den wir alle nicht verstehen. Vielleicht ist das genau unsere große neue Chance. Vielleicht können wir Prozesse nur verstehen, wenn wir uns erzählen, was wir uns wünschen, worüber wir traurig sind, welche Ideen wir haben, welche Ziele wir erreichen möchten… Vielleicht lassen sich Prozesse nur im Miteinander verstehen, im Miteinander gestalten und erleben. Vielleicht erkennen wir Menschen im Miteinander das Zusammenspiel von Sonne und Wolken, von Freude und Trauer, von Raupe und Schmetterling.
Eine schöne neue Woche trotz oder auch gerade wegen Veränderung und viele erfüllende Momente des Miteinanders

Gertrud Müller