Aussteigen-Einsteigen -Reisen

Als ich in der 3. Klasse war, kam der Stadtpfarrer zu uns in die Klasse. Er erlaubte uns, ihm Fragen zu stellen, die uns interessierten. Ich konnte schon als Kind nicht verstehen, warum sich Menschen so strengen Regeln wie Zölibat unterwarfen und diese Doppelmoral der Kirche nicht durchschauen. Deshalb fragte ich. Warum sind Sie Pfarrer geworden und geblieben?

Er antwortete: Pfarrer zu sein ist wie in einen Zug einsteigen, aus dem man nicht mehr aussteigt. Wie furchtbar dachte ich, dann ist ja die Lebensreise zu Ende. Ja, so ist es für viele, sie sind in ein Leben irgendwo eingestiegen und da bleiben sie sitzen, egal wohin der Zug fährt. Ich bin froh, dass Züge, in denen ich fahre, Bahnhöfe , zum umsteigen haben. Ich bin froh, dass ich auch überall mit meinem Radl hinfahren kann. Ich bin froh, dass ich nicht nur warte, wo mich der Lebenszug hin fährt sondern, dass ich selbst bestimme wo, wann und wie ich lebe. Für mich bedeutet Leben, jeden Tag in ein neues Leben einzusteigen und jeden Tag auch wieder aus diesem alten Leben aussteigen zu können. Wenn wir das Leben jeden Tag selbstbestimmt und neu leben und erleben, dann bleiben wir frisch, jung und lebendig, egal in welchem Alter.

Wenn wir das Leben als Reise verstehen, als Reise mit unendlichen Möglichkeiten, in dem wir durch verschiedene Zeiten, Welten, Räume, Möglichkeiten, Begegnungen, Kulturen, Weltanschauungen reisen, dann ist alles auf einmal viel interessanter, farbiger, unkomplizierter und fröhlicher.

Ich wünsche uns allen viel Spaß beim Reisen durchs Leben, beim Einsteigen und Aussteigen, beim Umsteigen, Radeln und Wandern. Und denken Sie immer daran, Reisende helfen sich gegenseitig, wenn sie in Nöten sind.

Eine schöne neue und reiselustige Woche

Gertrud Müller

Aussteigen

Aussteigen

Ich erinnere mich noch gut an die 80er Jahre. Waldsterben drohte, weltweit wurden immer mehr Atomkraftwerke gebaut, Radioaktivität und Atombomben machten den Menschen zunehmend Angst. Die Bedrohung durch atomare Weltkriege nahm genauso zu wie die Angst, dass das Erdöl und andere Ressourcen in der Zukunft nicht mehr ausreichen würden. Es entstanden erste grüne politische Bewegungen, Friedensdemonstrationen und Friedensinitiativen. Und immer mehr junge Menschen wurden „Aussteiger“, sie versuchten alternative Lebensformen umzusetzen. Der globale Run nach Reichtum und die Gier nach Macht nahm dennoch zu. Die Achtlosigkeit der Führungseliten und der mitlaufenden Massen tangierten die alternativen Aussteiger wenig. Das Leben wurde einfacher, praktischer, luxuriöser und die Horrorszenarien von Waldsterben, Ressourcenschwund und atomaren Weltkrieg schienen an Bedrohung zu verlieren und wurden von den Medien kaum mehr gezeigt. Geld, Börse, Wirtschaftswachstum und Wissenschaft waren die Maxime der modernen Welt. Jetzt 40 Jahre später tauchen all die verdrängten Probleme der 80er Jahre wieder auf. Und was machen wir jetzt? Aussteigen heute? Es ist kaum mehr möglich, in ein Land auszuwandern, wo noch paradiesische Zustände sein könnten. Einen friedlichen Ort zu finden ist schwierig. Die Menschen streiten über unterschiedliche Prinzipien, Vorurteile und Einstellungen, es wird demonstriert und Gegendemonstriert. Es werden Demonstrationen brutal beendet und danach die große Frage: Wer hat Schuld, wer hat wann, wo, wie angefangen?

In Orwells negativsten Visionen der 80er Jahre war die kollektive Überwachung harmlos gegen das, was heute an Überwachung installiert ist. Wir leben in einem streng kontrollierten Chaos, in dem alle irgendwie verwirrt umherirren und niemand weiß, wie es weitergeht. Ich denke wir können auch heute noch aussteigen, aussteigen aus dieser kollektiven Verwirrung. Aussteigen aus den eigenen Vorurteilen über den fremden Nachbarn, Aussteigen aus dem eigenen Meinungsbild uniformierter Polizisten. Aussteigen aus der Überzeugung, zu wissen, wie sich andere verhalten sollen; Aussteigen aus übler Nachrede und dem Geschwätz banaler 1001 Sorgen des Alltags. Und dann? Wenn wir ausgestiegen sind, können wir langsam anfangen wieder einzusteigen – in ein neues Leben. Die Geschichte erzähle ich im nächsten Blog und wenn die Welt noch steht, dann lesen meine treuen Leser sicher weiter.
Eine schöne neue Woche mit vielen Möglichkeiten mal auszusteigen.

Gertrud Müller

Radreisen

Meine schönsten Reisen sind die Radreisen

Schon als junges Mädchen machte ich gerne Radreisen von Jugendherberge zu Jugendherberge. Mit Kindern, Beruf und wechselseitigen Herausforderungen schien kein Platz und keine Zeit mehr dafür zu sein. Vor vier Jahren entdeckte ich meine Leidenschaft wieder. Mit gepackten Radltaschen losfahren, heute mit Handy Navi und der Möglichkeit, unterwegs noch eine Unterkunft zu buchen. Einfach wegfahren über Stock und Stein, kilometerweit menschenfreies Gelände. Verwunschene Orte finden sich vor allem dort, wo kein Auto hinkommt – magisch schön.

Ich spüre den Respekt vor der Natur, mit ihrer Größe, der Artenvielfalt, und ich verneige mich innerlich vor all der Schönheit, die mir begegnet. Seerosen auf einem kleinen abgelegenen Teich, Wasser, das verspielt über die Steine hüpft. Das Rauschen verbindet sich mit Grillenzirpen und Vogelgesang – ein Naturkonzert erklingt. Sonnenstrahlen durchbrechen den Schatten im Wald und die vielen Blumen an den Feld- und Waldrändern scheinen mit ihren Blättern zu grüßen. Wenn ich wieder durch bewohnte Gebiete fahre, denke ich an unsere Ahnen, die sich die Natur bewohnbar machten, sich in Siedlungen niederließen, Wege durch die Wälder bauten… Nur durch ihre (Vor)Arbeit kann ich heute relativ sicher, frei und doch auch geborgen in der Natur unterwegs sein.

Mögen auch wir so gut für die zukünftigen Generationen sorgen, dass sie uns ebenfalls dankbar sein können.

Eine schöne neue Woche

Gertrud Müller

Sommer

Wie schön ist es im Sommer leben zu dürfen (hat auch schon George Gershwin festgestellt)! Oft sind wir so mit Arbeit und Aufgaben überschüttet, dass wir die Schönheit das Sommers gar nicht mehr spüren: die roten Mohnblumen blühen zwischen dem gelben Getreide, Bienen summen von Blüte zu Blüte, der Specht klopft, ein Schmetterling flattert vorbei… Die Sonne scheint vom blauen Himmel und bei einem Gewitter kommen die dunklen Wolken, Blitze zucken und der Donner grollt. Die Natur schenkt uns täglich ein wunderschönes Schauspiel.

Genießen wir diese natürlichen und zugleich kostenlosen Geschenke und freuen uns daran!
Eine schöne neue Sommerwoche

Gertrud Müller

Ankommen

Kennen Sie das Gefühl, angekommen zu sein? Das Ankommen bei einer Reise oder bei Besuchen? Das Ankommen nach einer Ausbildung mit dem Zeugnis in der Hand? Nach einer schweren Bergtour das Ziel endlich zu erreichen oder das Gelingen einer schwierigen Herausforderung? Ankommen, ausruhen und genießen, das Erfolgreiche wertschätzen und feiern. Es ist wichtig, dass wir nicht achtlos einen Schritt des Lebens nach dem anderen abarbeiten. Es bedeutet Lebensqualität, wenn wir die unterschiedlichen Momente des Lebens genießen, die anstrengenden und die erfolgreichen, den Aufbruch und das Ankommen. Alle Erfahrungen haben eine unterschiedliche Qualität, eine andere Schönheit und erfordern einen andere Antwort von uns.

Würdigen und achten wir die Schätze des Lebens!

Eine schöne neue Woche mit vielen Momenten des Ankommens

Gertrud Müller

Radreisen

Meine schönsten Reisen sind die Radreisen

Schon als junges Mädchen machte ich gerne Radreisen von Jugendherberge zu Jugendherberge. Mit Kindern, Beruf und wechselseitigen Herausforderungen schien kein Platz und keine Zeit mehr dafür zu sein. Vor vier Jahren entdeckte ich meine Leidenschaft wieder. Mit gepackten Radltaschen losfahren, heute mit Handy Navi und der Möglichkeit, unterwegs noch eine Unterkunft zu buchen. Einfach wegfahren über Stock und Stein, kilometerweit menschenfreies Gelände. Verwunschene Orte finden sich, vor allem dort, wo kein Auto hinkommt – magisch schön.

Ich spüre den Respekt vor der Natur, mit ihrer Größe, der Artenvielfalt, und ich verneige mich innerlich vor all der Schönheit, die mir begegnet. Seerosen auf einem kleinen abgelegenen Teich, Wasser, das verspielt über die Steine hüpft. Das Rauschen verbindet sich mit Grillenzirpen und Vogelgesang – ein Naturkonzert erklingt. Sonnenstrahlen durchbrechen den Schatten im Wald und die vielen Blumen an den Feld- und Waldrändern scheinen mit ihren Blättern zu grüßen. Wenn ich wieder durch bewohnte Gebiete fahre, denke ich an unsere Ahnen, die sich die Natur bewohnbar machten, sich in Siedlungen niederließen, Wege durch die Wälder bauten… Nur durch ihre (Vor)Arbeit kann ich heute relativ sicher und frei und doch auch geborgen in der Natur unterwegs sein.

Mögen auch wir so gut für die zukünftigen Generationen sorgen, dass sie uns ebenfalls dankbar sein können.

Mit den besten Wünschen für eine schöne neue Sommerwoche

Gertrud Müller

 

Aufbruchstimmung

Wir stehen am Morgen auf und fühlen: heute wird der Tag anders sein! Wir wissen: dass der Alltag anders verlaufen wird

Das sind die Tage, an denen der Urlaub anfängt, die Tage, an denen wir eine neue Wohnung beziehen oder eine neue Arbeitsstelle antreten. Aufbruchstimmung herrscht nach einer Hochzeit oder wenn ein Kind geboren wird. Das fühlt sich nach Freude an, wir dürfen aufbrechen, etwas Neues erleben!

Es gibt auch die andere Aufbruchstimmung, die uns dazu zwingt, etwas Neues anzufangen. Nach dem Tod eines lieben Menschen, nach einem Schicksalsschlag, nach einem Unfall. Hier müssen wir aufbrechen, ob wir wollen oder nicht. Wir erleben, dass gerade schwere Lebenskrisen, Verluste, Krankheit und Tod das Potenzial zu Veränderung haben. So schmerzhaft manche Aufbrüche sein mögen, danach hält das Leben immer wieder neue Möglichkeiten bereit.

Wenn uns neue Aufbrüche gelingen, ist es ein großes Geschenk, eine mutige Antwort — unabhängig vom Auslöser der Veränderung.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen viel Mut, das Leben zu meistern! Mit seinen Höhen und Tiefen.

Gertrud Müller

  Foto: Franziska Neufeld

Extrem

Extrem

Die Zeiten, die wir erleben, erscheinen extrem: extrem krank, extrem gewalttätig, extrem verunsichernd, extrem… Hatten wir mit Nelson Mandela noch gehofft, dass die Unterdrückung von Schwarzen überwunden und Friede gefunden würde, so sehen wir heute genau das Gegenteil. Der Schwarze George Floyd wird wegen eines Bagatelldeliktes unter Augenzeugen von einem weißen Polizisten getötet. Das ist der Tropfen, der das Fass der Ungerechtigkeit zum Überlaufen bringt. Weltweit wird die Ungerechtigkeit, der Verteilung von Privilegien und Gütern, von Regierungen verharmlost, mitgetragen und sogar beschönigt. Ein kleiner Teil der Weltbevölkerung wird durch diese Ökonomie und die dazugehörende Politik extrem begünstigt und megareich, Massen von Menschen jedoch verarmen und verelenden. Der weltweite Kniefall der Politik vor dieser zerstörerischen Ökonomie, die Güter extrem ungerecht verteilt und Menschen und unsere Natur durch Ausbeutung zerstört, kann nur abgelehnt werden. Dieser Kniefall der Politik wird aber auch von schweigenden Bürgern mitgetragen. Deshalb entzündet sich jetzt die Wut und viele glauben, sich wehren zu müssen. Es reicht nicht mehr, dass wir uns auf Regierungen und Führungskräfte verlassen. Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns den Mächtigen unterordneten und uns schweigend wie Schafe führen ließen. Wir erkennen, dass wir selbst mehr Verantwortung übernehmen können und müssen, um eine bessere Welt der Zukunft mit zu gestalten. Ist Gewalt die Lösung? Es gibt einen besseren Weg, der zwar nicht schnell etwas verändert, aber nachhaltig und friedlich: wir können auf Konsum verzichten, fairhandeln, Freundlichkeit und Höflichkeit kultivieren. Wir können freundlich und klar unsere Meinung sagen, unsere Interessen vertreten, wenn wir Situationen als ungerecht empfinden. Wir können Kommunikation und Konfliktbewältigung schulen, Frieden in unseren Familien schaffen. Wir müssen bei unfairen Deals nicht mitspielen. Wir können beim Kauf von Produkten auf die Hersteller achten. Und wir können im Alltag einander helfen, miteinander teilen und voneinander lernen. Das scheint zu wenig?

Wenn nur ein Mensch unter Hunderttausenden so handelt ist es wenig. Wenn viele Hunderttausende sich so verhalten, wird die Welt schon morgen eine andere sein. Wir arbeiten mit Firmen zusammen, die sich schon heute dafür engagieren, dass die Welt von Morgen eine bessere sein kann. Schauen Sie unter https://1centforpeace.de/2020/05/27/netzwerkpartner/

In diesem Sinne: Wagen wir jeden Tag den Aufbruch in ein gutes und gerechteres Leben für uns alle!

Gertrud Müller

Informationsflut

Heute werden wir nicht zu wenig informiert, im Gegenteil, wir erhalten zu viele, widersprüchliche und teilweise falsche Informationen. Daten und Informationen sind das neue Gold. Es gab schon früher diejenigen, die dem Goldrausch verfielen und auf neue Moden setzten und andere, die eher bewährte Strategien verfolgten. Es wird kein Patentrezept geben, welcher erfolgreicher ist, der Goldsucher oder derjenige, der auf bewährte Strategien setzt. Im Nachhinein kann man den Erfolgreichen loben und den Erfolglosen belächeln. Keiner weiß jedoch, ob es mit der anderen Strategie besser geklappt hätte. Der Mensch denkt und Gott lenkt hat man früher gesagt. Gerade jetzt in der Krise zeigt sich, dass seriöse, gut gehende Geschäfte wegbrechen und andere sich plötzlich erholen können. Trotz all dieser Verwerfungen ist langfristig jeder Erfolg von Informationen abhängig, vor allem von den ehrlichen, hilfreichen und wertschätzenden Informationen. Diese Informationen schaffen Vertrauen und Zuversicht, diese Informationen fühlen sich gut an.

Wenn wir ehrlich und wertschätzend miteinander umgehen, dann werden wir in guten und in schlechten Zeiten Menschen finden, die uns helfen, die miteinander teilen und voneinander lernen. Die ehrlichen und wertschätzenden Informationen sind die Währung derjenigen, die miteinander durch dick und dünn gehen. Das sind die Lebensgefährten, die Gold wert sind. Fragt man alte Menschen wie sie Kriege und Not überlebten sagen sie: weil wir uns geholfen haben, weil wir geteilt haben und weil wir füreinander da waren.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir ehrlich, wertschätzend und einfühlsam miteinander durch dick und dünn gehen.

Eine gute hilfreiche und lehrreiche neue Woche mit vielen ehrlichen Informationen.

Gertrud Müller

Die laufenden Omas

Laufende Omas

Ich wuchs in Niederbayern auf und ging jeden Sonntag mit meiner Familie in die Kirche. In Erinnerung blieb mir, dass es eine höhere Macht gibt und dass Gott eine große Rolle im täglichen Leben spielte. Ich erinnere mich auch an alte verhärmte, dunkel gekleidete Menschen. Als Kind dachte ich dann immer: der liebe Gott will das bestimmt nicht, dass die alten Menschen so verbogen, so traurig und verbittert sind. Ich hatte ja noch keine Ahnung was die Menschen im Krieg erlebt hatten.

Später erkannte ich durch meine vielen Ausbildungen im Gesundheitswesen, dass die Menschen zum schweren Arbeiten und zum Sitzen erzogen wurden und dass sehr viele ein freudloses Leben führen. Die einseitige Belastung macht den Körper krumm und die fehlende Freude trübt die Stimmung der Seele.

So will ich nicht alt werden! Ich begann mich mehr zu bewegen, suchte nach Sportmöglichkeiten, Ausgleich von Be- und Entlastung, suchte nach Freude und Sinn. Mit der Zeit lernte ich gut für mich zu sorgen. Mit 55 begann ich dann intensiver zu trainieren: Triathlon als Hobbysport. Wagemutig meldete ich mich als laufende Oma im letzten Herbst zum Halbmarathon an und traf dort eine andere supernette laufende Oma mit ihrer Tochter, und so liefen wir unseren ersten Halbmarathon als laufende Omas. Es machte so viel Spaß gemeinsam zu laufen, und jetzt treffen wir uns regelmäßig zum Laufen. Wir inspirieren uns gegenseitig und andere. Bewegung, Arbeit und sich am Leben zu freuen, mit den Kindern zu lachen und mit den Enkeln zu spielen. Laufen und Spaß haben, das hält fit. Laufen verbindet.

Und wenn ihr Lust habt, meldet euch, wir sagen euch gerne wie das geht, frohe laufende Omas und Opas zu werden.

Viel Spaß und ein mobiles Jungbleiben in jedem Alter.

Gertrud Müller