bewusst Sein

Die Begriffe „bewusst“ und „Sein“ oder auch „Bewusstsein“ tauchen immer wieder in Verbindung mit der Zeitenwende auf, die wir derzeit erleben. Was bedeutet es bewusst oder unbewusst zu sein.  Ich möchte hier versuchen ein paar Spielarten von „bewusst Sein“ und „unbewusst Sein“ genauer zu beleuchten.

  • In Augenblicken von sehr traumatischen oder beunruhigenden Erfahrungen wird unser Bewusstsein ganz wach, um die schwierigen Situationen zu bewältigen. Diese Wachheit forciert alle Sinne, alles bisher Erlernte um in der Notlage möglichst rasch und gut zu handeln und die richtigen Entscheidungen zu treffen
  • Bewusstes Sein bedeutet, wie Eckart Tolle es lehrt, sich auf den Augenblick zu konzentrieren. Wenn Gedanken in die Vergangenheit oder in die Zukunft gerichtet sind, dann sind wir uns der aktuellen Situation nur halb bewusst. Das gleiche gilt, wenn gerade ein schwieriges Problem gelöst wird, dann können nicht zeitgleich andere schwierige Probleme gelöst werden.
  • Oft muss das menschliche Gehirn sich nicht nur auf die äußern Umstände konzentrieren, der Menschen muss sich Klarheit schaffen wo stehe ich, wo stehen andere, was will ich im Leben erreichen, was wollen andere. Wo überschneiden sich unsere Wünsche und unsere Wege mit den Wünschen und Wegen der anderen. Zudem ist die menschliche Wahrnehmung durch Wahrnehmungsfilter und Verhaltensprogramme limitiert.
  • Bewusstheit hängt von Reife und Lebenserfahrung ab: Ein kleines Kind ist sich der Folgen seiner Handlungen noch nicht so bewusst. Es gibt jedoch auch zahlreiche Erwachsene, Führungskräfte und Staatsmänner, die sich der Komplexität, in der sie entscheiden nicht bewusst sind.
  • Bewusstsein hängt damit auch mit Bescheidenheit zusammen, mit der Bescheidenheit, dass es nicht Aufgabe des Menschen ist das Leben zu steuern.
  • Das Leben steuert sich selbst durch die viefältigen Energien und Wechselwirkungen von chemischen, biologischen und kosmischen Prozessen.

Wenn wir es genauer betrachten bedeutet es, so ganz bewusst Sein können wir gar nicht. Vielleicht ist das die höchste Form des bewussten Seins:

Wir haben als Menschen Möglichkeiten bewusster zu werden, bewusster zu sein, bewusster zu leben und zugleich haben wir nie die Möglichkeit ganz und absolut bewusst zu sein.

Die Vorausetzung, dass wir alle aus bewusstem  und unbewusstem Sein bestehen, kann uns Güte lehren. Die Güte, dass wir uns alle bemühen können um „bewusstes Sein“ und dennoch kein absolut „bewusstes Sein“ erreichen werden

Es gibt weltweit viele Bewusstseinsschulen mit langer Tradition: Die Philosophie, religiöse Schulen und religiöse Praxis, Hypnose, Achtsamkeitstraining, Parapsychologie usw.

Besonders freue ich mich, wenn junge Menschen das Thema des bewussten Seins aufgreifen und weiterentwickeln. Vor 3 Wochen nahm ich an einem Seminar „bewusst-er-leben“ teil, das von zwei jungen Coaches entwickelt wurde. Und ich war begeistert wie freundlich, wertschätzend und kompetent die beiden das Thema bewusst-er-leben in ihr eigenes Leben integrieren und weitergegeben Hier der Link zur Webseite der beiden, Jonathan Fischer und Jan Vollmer https://my-bestlife.de/

Eines ist klar: wenn es uns gelingt Bewusstsein und Bewusstwerdung in das eigene Leben zu integrieren werden viele Probleme relativ klein. Es lohnt sich in jeder Hinsicht bewusster zu leben. Hier noch zwei Links über Möglichkeiten bewusster zu werden, bewusster zu denken, bewusster zu fühlen, bewusster zu Sein.

Das Lied „Über den Wolken“ beschreibt sehr gut wie bewusst der Sänger den Augenblick des Start eine Flugzeugs wahrnimmt. Seine Sinne sind auf die äußere Welt, den Start des Flugzeugs gerichtet, und zugleich nimmt er seine innere Welt wahr. Er beobachtet den äußeren Moment und sein Bewusstsein. Er  geht zeitgleich mit der äußeren Beobachtung weit über diesen Moment hinaus, in die Unendlichkeit die sich jenseits der Wolken und jenseits der menschlichen Sorgen erstreckt. Aus diesem Bewusstwerden, Bewusstsein entsteht Kunst, Kreativität, Schöpfung, die uns Menschen so sehr begeistert.

https://www.youtube.com/watch?v=0ICfNCLSnd4

und hier noch sehr interessante philosophische Betrachtungen zum Thema bewusstes Sein

Eine schöne neue Woche mit vielen bewußten Momenten

Gertrud Müller

Der dressierte und der befreite Mensch

Der dressierte und der befreite Mensch

Wie fühlen Sie sich eher dressiert oder eher frei? Dressur ist eine Jahrtausende alte menschliche Tradition

Menschen dressieren Tiere und sie dressieren sich gegenseitig. Nach mehreren Generationen wissen Tiere und viele Menschen nicht mehr, dass sie sehr dressiert leben. Tier und Mensch gewöhnen sich an die Dressur und an das andressierte Verhalten. Der Vogel bleibt im Käfig, obwohl er gerne fliegen würde. Der Hund lässt sich an der  Leine führen, auch wenn er lieber frei läuft. Pferde tragen schwere Lasten oder ziehen Wägen auch wenn sie lieber unbeschwert über die Steppe traben möchten. Wie kann es sein, dass Lebewesen wider ihre angeborene Natur handeln,  sich umprogrammieren lassen durch Dressur? Die Natur hat Lebewesen mit Gewohnheit/Anpassung ausgestattet und mit einem Stresssystem, das Flucht und Kampf in Gefahrensituationen ermöglicht. Nur durch Kombination von Gewohnheiten und Erzeugung von Stress kann Dressur erreicht werden. Strafe erzeugt Stress, Belohnung erzeugt angenehme Gewohnheit. Im letzten Jahrhundert gab es Verhaltensforscher, die der Meinung waren Menschen lassen sich bis zur Selbstaufgabe unter den Willen und die Herrschaft anderer stellen. Ihr Credo lautete: Gib mir einen Menschen und ich mache aus ihm was ich will. Heute weiß man so absolut und mit Garantie funktioniert Dressur nicht, sie funktioniert allerdings sehr effektiv, ohne dass der Dressurakt schnell durchschaut werden kann. Warum funktioniert das? 1. Menschen haben Angst vor Schmerzen 2. Menschen brauchen ein soziales Umfeld um zu überleben. Menschen fürchten Ausgrenzung und Tod. 3. Werden Menschen mit Strafe, Gewalt oder vom Tod bedroht, machen sie fast alles was von ihnen gefordert wird. 4. Menschen sind verführbar. Menschen, denen Geld oder Vergünstigungen geboten werden, um gewisse Handlungen auszuführen handeln so wie es von ihnen erwartet wird. Dressur wird erreicht durch Ausgrenzung, Angst, Moral, Erniedrigung, Beschämung, Verführung und Manipulation

Das wilde Tier und der wilde Mensch lassen sich nicht oder nur sehr schwer dressieren. Freie Tiere und Menschen können sich sehr gut selbst organisieren und helfen sich gegenseitig, sie finden die Balance zwischen Anpassung und Freiheit, zwischen Abstinenz und Sexualität, sie brauchen keine Dressur des Miteinanders, der Gesundheit oder des Ressourcenverbrauchs und sie sind in der Lage Besitzrechte untereinander zu klären. Statt Dressur können freie Menschen selbst entscheiden wie sie ihr Leben miteinander gestalten. Heute steht alles auf dem Prüfstand: Krieg und Frieden, Energieversorgung, Demokratie und Diktatur, Politik, Religion, Besitz, … Können wir uns auch fragen wie dressiert und wie frei wir leben wollen?

Denken Sie mal nach: Lebe ich dressiert oder befreit? Will ich so leben?

Eine schöne Neue Woche

Gertrud Müller

  Fotos: Franziska Neufeld

 

Mutige und engagierte Bürger

derzeit spreche ich mit vielen Menschen, die sich sehr hilflos fühlen  bezüglich der aktuellen politischen Lage. Und auch mir geht das zeitweise so. Diese Woche durfte ich das Gegenteil erleben. Viele Erlebnisse und Erzählungen von Menschen, die versuchen, das Beste aus dieser wirren Situation zu machen:

  • Letztes Wochenende besuchte ich ein Seminar von zwei jungen Leuten, die sich selbstständig gemacht haben und Coachings anbieten, damit Teilnehmer und Interessierte wieder Motivation und Zuversicht für ihr Leben finden
  • Mein Lauffreundin Freundin Ute Börsdam erzählte mir von einem tollen event, das sie und ihr Mann in ihrem Friseur und Beauty Salon veranstaltet hatten: Talking about my generation. Der zweite Themenabend im Salon. Erzählt wird die Erfolgsgeschichte der Rolling Stones. Es werden Platten aufgelegt, Gitarre gespielt und gesungen. Alle arbeiten ohne Gage und gestalten diese Abende zum Wohle für das Kinderhospiz. 20  Gäste aus dem Kundenkreis hatten sich angemeldet und waren begeistert von der Idee statt Eintritt für einen guten Zweck zu spenden. Es gab kostenlos Getränke und kleine Snacks die meine Lauffreundin und ihr Mann selbst zubereitet und spendiert hatten. Ein wundervoller Abend mit Musik und guten Gesprächen. Es hat sich gelohnt 260 Euro sind für einen guten Zweck zusammen gekommen.
  • Gute Nachrichten. Einige Bekannte erzählten mir wieder positive Nachrichten, dass sie Hoffnung erlebten, Unterstützung erfahren hatten.
  • Gerade komme ich von einem kleinen Konzert, in dem unserer kleiner Chor mitgewirkt hat. Gesang- und Musikbegeistere Freunde hatten diese kl. Konzert veranstaltet. Anschließend gab es ein wunderbares Buffet und gute wertschätzende, lustige und spannende Unterhaltung.
  • Morgen fahre ich mit einem ehemaligen Radprofi eine kleinere Tour. Obwohl er mir radtechnisch um Welten überlegen ist fahren wir gelegentlich gemeinsame Touren. Er belächelt mich nicht als Hobbysportler. Sport ist nicht immer Kräfte messen, sondern auch ein gemeinsames Erlebnis und einfach auch geteilte Lebensfreude.

Gerade dann, wenn die Zeiten schwierig sind brauchen wir die kleinen Helden des Alltags, die uns Mut, Zuversicht und Trost schenken, die uns immer wieder die wertschätzende und menschliche Seite des Lebens und des Zusammenlebens zeigen.

Eine schöne neue Woche mit viel Mut und Engagement.

Gertrud Müller

Foto: Ute Boersdam

Diskussion

Auch wenn wir oft nicht so genau wissen was wir noch glauben können und was nicht, ist es doch interessant die vielfältigen Diskussionen zu beobachten. Wie wollen wir, dass die Medizin der Zukunft aussieht, total technisch oder eher natürlich? Wollen wir uns in der Zukunft bekriegen wie im römischen Reich oder im Mittelalter? Wie wollen wir unsere Kinder erziehen zu braven, gehorsamen Bürger, zu dressierten Befehlsempfängern oder eher zu achtsamen und kritischen Menschen, die sich trauen ihre Meinung zu äußern. Ich möchte Ihnen heute einfach ohne Kommentar 3 Links senden, es lohnt sich in jedem Fall darüber Gedanken zu machen, unabhängig davon welche Zukunft sich entwickeln wird:

Link Kindererziehung

https://twitter.com/die_hoferin/status/1542564138924253186?s=24

Link Wer ist schuld am Krieg

https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/die-ukraine-ist-die-neueste-katastrophe-amerikanischer-neocons-li.242093

Ist Frieden heute noch anstrebenswert?

https://soziale-wende.blogspot.com/2022/06/nato-gipfel-ohne-frieden-ist-alles.html

Die aktuelle Schieflage in der ganzen Welt hat einen großen Vorteil: Wir können uns überlegen: Wie hätten wir es denn gern in der Zukunft?

Eine schöne neue Woche

Gertrud Müller

 

Stimmt das?

Derzeit wird viel evaluiert, in der Wissenschaft, in den Medien wird nach Fake News gesucht. Immer wieder stellt sich die Frage stimmt das? Trotz all der Evaluierungen wird jedoch kaum erkennbar, dass aus Fehlern gelernt wird. Wie kommt das? Bisherige Evaluierung haben eher die Aufgabe zu zeigen, dass alles gut läuft. Wenn Gutachter einer Autofirma sich selbst evaluieren, ob sie alles richtig machen, kann es durchaus passieren, dass die Evaluierungen zu Gunsten der eigenen Firma, des eigenen Konzerns ausfallen, wie bei der Abgaskrise zu sehen war. Aktuelle Evaluierungen laufen weitgehend in den eigenen Konzernen ab, in der eigenen Partei und den eigenen Fachbereichen. Tiefgreifende Fehler werden dabei übersehen, keiner möchte sich selbst beschuldigen etwas nicht richtig zu machen. Wenn wir ehrliche Evaluierung und wirklichen Fortschritt wollen, müssen wir uns der Kritik anderer stellen, der Evaluierung aus anderen Fachbereichen, aus anderen Kulturen, aus anderem Alter und Erfahrungshintergrund.  Fehler erkennen ist eine Kunst, sowohl im Diagnoseprozess der Medizin, als auch das Erkennen von Fehlerquelle in der Technik. Wird das Problem nicht erkannt, ist meist auch die Lösung falsch. Wir müssen in diesen herausfordernden Zeiten alles hinterfragen. Stimmt das was uns bisher gesagt wurde? Stimmt es, dass wir dem einen glauben dürfen und dem anderen nicht? Stimmt es, dass wir uns kein eigenes Urteil bilden können und dürfen? Stimmst es, dass die hierarchisch Höhergestellten das Recht haben andere zu dominieren? Erst wenn Menschen sich trotz anderer Meinung, trotz unterschiedlicher Hierarchie, trotz Andersartigkeit der Kulturen und Einstellungen zuhören und respektieren werden gute Evaluierungsprozesse möglich. Und erst danach können wir Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Tradierte Fehler können wir nur überwinden, wenn wir bereit sind Neues zu lernen. Beobachten wir die Natur merken wir, dass sich die Natur keine Grenzen der Möglichkeiten auferlegt und sich ständig neu ordnet ohne dass dabei Chaos entsteht. Die Samen der Pflanzen werden auf unterschiedlichsten Wege an die verschiedensten Orte der Welt getragen. Vögel fliegen in der ganzen Welt herum ohne die Orientierung zu verlieren. Sie nützen Energien, Luftströmungen und Ortungssysteme, die uns noch völlig fremd sind. Fische schwimmen ohne Google Maps von den Flüssen ins große Meer um sich zu paaren, wer Ihnen den Weg zeigt, wir wissen es nicht.  Und selbst Schnecken, die uns so langsam erscheinen überwinden in ihrem Schneckentempo erstaundlich große Strecken. Es gibt noch soviel zu erforschen und zu entdecken, das bisherige Wissen der Menschheit hat noch sehr viele Lücken und Fehldiagnosen. Mögen wir mutig sein unsere eigenen Fehler und Schwächen zu erkennen um jeden Tag Neues zu entdecken und weiter zu lernen.

Fragen Sie sich diese Woche immer wieder mal: Stimmt das was ich da gerade denke? Stimmt es was ich sage, weiß ich das wirklich so genau? Woher habe ich diese Information? Ist der Zusammenhang logisch? Stimmt die Information zu meinen bisherigen Erfahrungen?

Eine interesssante neue Woche

Gertrud Müller

Foto: Ana Penava

Untergang von Kulturen

Wenn ich die Nachrichten höre, habe ich oft den Eindruck wir stehen kurz vor dem Untergang unserer Kultur und wir, die Menschen sind selbst schuld, weil wir alles zerstören. Ich frage mich: Stimmt das? Wenn ja wie kann es sein, dass Menschen ihre Hochkulturen zerstören? Können wir nicht aus Fehlern der Geschichte lernen? Ich höre in meiner Arbeit von vielen Menschen Begründungen, warum sie so handeln wie sie handeln, so leben wie sie leben, warum sie so entscheiden wie sie entscheiden. Der Großteil der Menschen will es richtig machen, sie wollen Fehler vermeiden. In der Folge werden Fehler vertuscht, viele Menschen neigen dazu sich selbst zu erhöhen um fehlerfrei dazustehen, es werden andere beschuldigt, die Fehler machen und es gibt zahlreiche Führungskräfte, Mediendarsteller, Politiker, Juristen usw. die sich selbst als gänzlich unfehlbar darstellen. Warum haben wir so eine Abneigung Fehler einzugestehen? Warum können wir Fehler nicht erkennen, selbst wenn wir so viele Fehler machen, dass die ganze Kultur gefährdet ist?

Aus Fehlern zu lernen ist angeboren. Kein Kind würde Laufen und Sprechen lernen, wenn es Fehler vermeidet. Ein Kind muss hunderte, vielleicht tausend Male hinfallen bis es sicher und zielgerichtet laufen kann. Ein Kind muss Millionen von Lauten formen bis es die ersten verständlichen Worte und Sätze sprechen kann. Kinder denken nicht daran, dass dieser Lernprozess peinlich sein könnte, sie machen einfach, das was sie spüren, was zu ihrer Entwicklung nötig ist. Die meisten Eltern wissen, dass sie das Kind nicht zum Laufen oder Sprechen zwingen können. Die Entwicklung läuft ohne menschliche Steuerung ab. Eltern und Pädagogen machen jedoch die Erfahrung, wenn Kinder unterstützt werden und ihre Fortschritte wertgeschätzt werden entwickeln sich Kinder besser.

Werden Kinder älter, ändert sich ihre Beziehung zu Fehlern: Ältere Kinder und Heranwachsende wollen sich profilieren, beweisen, werten sich gegenseitig ab oder überhäufen sich mit Anerkennung. Der Lernprozess des vom unbedarften Lernen zum fehlervermeidenden Lernen hat begonnen: Wenn du das lernst bist zu gut, wenn du etwas anderes lernst bist du schlecht. Wenn du dich so verhältst gehörst du zu den angesehenen Leuten, wenn du das machst gehörst du zu den abgewerteten Menschen. Der Lernprozess von unbeschwerten Sein zur hierarchischen Beziehung hat begonnen. Was bedeutet hierarchische Beziehung? Es bedeutet, dass sich Menschen als überlegen oder unterlegen einordnen. Im Verlassen der Vielfalt des Lernens zu Gunsten von Über- und Unterordnung beginnt Ausgrenzung, Abwertung Intoleranz. Es entstehen Monokulturen, der Beginn vom Untergang der Kulturen. Die Zerstörung der Anerkennung der Andersartigkeit, die Zerstörung der Toleranz führt zur kontinuierlichen Verschlechterung von Beziehungen, zur Verknappung von Lebensgrundlagen, zu Kriegen, Gier und Zerstörung. Wir haben inzwischen genügend Erfahrungen unserer Vorfahren: In der Archäologie wird über Untergänge der Kulturen berichtet. Wir kennen aus Erzählungen unserer Großmütter und Großväter wie Deutschland durch Ausgrenzung Andersdenkender immer weiter zerstört wurde. Wir wissen über den Verfall der Kulturen über den Ausgang von Kriegen durch den Geschichtsuntericht. Wenn wir bereit sind zu lernen, können wir den Untergang unserer Kultur noch aufhalten und die negativen Entwicklungen revidieren. David Landes beschreibt diese Zusammenhänge in seine Buch  Wohlstand und Armut der Nationen: Warum die einen reich und die anderen arm sind

Oder schauen Sie sich den Film von Untergang der Maya- Kulturen an. Auch hier wird berichtet wie Intoleranz, Monokulturen und Feindseligkeit dazu führten, dass die Kultur der Maya unterging.

https://youtu.be/TNN6EAPcj-I 

Es gibt dennoch Hoffnung, dass wir dem Schicksal der früheren Kulturen entgehen: wenn wir bereit zu lernen, individuell und kollektiv aus unseren Fehlern zu lernen. Wie das geht, werde ich in den nächsten Blog beschreiben.

Eine schöne und lehrreiche neue Woche

Gertrud Müller

beseelt oder seelenlos?

Wann waren Sie das  letzte Mal beseelt, von einer Blume, der Natur, einem Ausblick, einem Kinderlachen, einer rührenden Geste? Wann haben Sie das letzte Mal einen tief erfüllenden Glücksmoment erlebt? Wenn ich Patienten nach solchen Momenten fragen, erzählen Sie mir oft von Momenten, die Jahre zurück liegen.

Nach einer sehr schweren Krankheit gewöhnte ich mir vor vielen Jahren an Dankbarkeit zu üben, Freude zu spüren, ich lernte Glücksmomente zu erkennen und mehr zu genießen. Derzeit fällt mir diese Übung wieder schwerer: Viele düstere Nachrichten, die Ängste der Mitmenschen berühren mich, die eigene Hilflosigkeit und die Sorge um die Zukunft nehmen zeitweise wieder Raum ein in meinen Gedanken. Auch der beständige Kampf der Menschen belastet mich, jeder glaubt selbst die/der Gute zu sein und gleichzeitig erkennen „die Guten“ in den anderen „die Bösen/die Feinde“. Gerade diese Projektion führt zu schlimmster Zerstörung: Keiner der Beteiligten erkennt mehr beseelte Momente oder Glücksmomente, jeder der Beteiligten ist gefangen in den eigenen und kollektiven Feindbildern und Horrorvisionen. Traurig macht mich auch, dass viele Menschen heute die Begriffe Glück und Seele aus dem Wortschatz streichen wollen. Funktionalität, Effektivität, wissenschaftliche Beweisbarkeit, Wirtschaftlichkeit scheinen gegen die Existenz der Seele zu sprechen und gegen die Wichtigkeit von tiefen Glücksgefühlen. Die Zunahme der psychischen Erkrankungen, psychiatrischen Notfällen, Amokläufen und Umweltzerstörung können auch Vorboten, Vorahnungen sein, dass wir uns als seelenlose und glücklose Existenzen selbst zugrunde richten und die beseelte,glücklich machende Umwelt zerstören. Ich werde mich weiterhin um ein beseeltes und glückliches Leben kümmern. Ich selbst bin seitdem viel gesünder und ich beobachte, dass sich der Gesundheitszustand meiner Patienten und Klienten deutlich stabilisiert, wenn sie sich mehr an ihrem seelischen Gleichgewicht orientieren und häufiger Glücksmomente erleben. Als Negativbeispiel habe ich hier einen Link eingefügt, wie eine seelenlose Zukunft aussehen kann.

Wir können uns jeden Tag entscheiden, will ich heute auf beseelte Momente und glückliche Erfahrungen achten, oder lasse ich mich wieder berieseln und treiben von Dogmen der Leistung, der Effektivität, von gut/böse Schemata und Horrorbildern. Es ist nicht so einfach sich immer wieder aufs Glücklichsein und ein beseeltes Leben zu fokussieren. Es ist ein Training, wie wir Muskeln trainieren. Irgendwann hat sich das Gehirn daran gewöhnt und die eigene Seele spürt wieder Glückmomente und lässt eine beseelte Welt wieder zu.

Ich wünsche uns allen viel Freude und Ausdauer bei der Suche nach Glücksquellen und bei der Gestaltung eines glücklichen und beseelten Lebens.

Gertrud Müller

Treiben lassen

 

Schon als Kind beobachtete ich Sommerwiesen und Getreidefelder, die sich im Wind hin- und her wiegen, Blätter die sich vom Bach treiben lassen. Mich faszinierten Vögel und Segelflugzeuge, die sich schwerelos vom Wind treiben lassen. Und ich schaute wie und von wem sich Menschen treiben lassen. Manche Menschen sind von Angst und Gier getrieben, andere lassen sich von ihrem Sinn des Lebens treiben.  Sucht, Arbeit und Geld sind Vorstellungen von denen Personen getrieben sind. Ideen, sowohl gute als auch niederträchtige treiben Menschen an, Ideologien und geniale Erfindungen.

Bei Fahrzeugen achten wir mehr und mehr darauf, dass die Motoren mit nachhaltiger umweltfreundlicher Energie angetrieben werden. Den meisten Menschen ist jedoch nicht bewusst von welchen Energien sie sich treiben lassen, ob diese Energien nützlich oder schädlich sind. Wir sind noch nicht gewohnt zu reflektieren und zu beobachten was wir tun und bewirken. Den meisten Menschen wird erst bewusst, von welchen Energien sie sich treiben lassen, wenn der Schaden nicht mehr zu übersehen ist. Diese Wirkungen werden meistens als Glück oder Pech definiert, obwohl dieses Glück oder Pech sehr oft mit bisherigen Handlungen in Verbindung steht. Wir wissen, dass wir mehr beachten müssen, von welchen Energien wir uns treiben lassen. Leider ist es uns fremd, Energien zu beobachten, die uns Menschen antreiben und wir argumentieren wir hätten zu wenig Zeit um Ursachen und Folgewirkungen genauer zu beobachten. Ob wir es schaffen eine bessere Welt zu gestalten, wird wesentlich davon abhängen, wie gut wir beobachten, von welchen Energien wir uns treiben lassen, von nützlichen kooperativen Energien, oder von Energien der Gier, Ausbeutung und Feindseligkeit.

In diesem Sinne möge uns der gute Geist zu Pfingsten inspirieren

Schöne Pfingsttage

Gertrud Müller

Die Welt steht Kopf

Im Unterricht zur Wahrnehmungspsychologie zeige ich den Schülern den Film „Die Macht der Sinne“. Dieser Film dient zum Verständnis unserer Sinne und dem Zusammenspiel von Sinneseindrücken und deren Verarbeitung im Gehirn. Wir denken in unserer naiven Weltanschauung, dass das, was wir sehen die Wirklichkeit ist, dabei unterliegen unsere Sinne und auch die Interpretation der Bilder, der Worte großen Täuschungen. Wir wandeln sozusagen in einer Welt der Phantasie, Wahrheit und Deutungen. Dabei gewöhnen sich sowohl unsere Sinne als auch unser Gehirn daran, dass wir uns täuschen und die Wahrnehmung kann sich relativ schnell wieder an andere Gegebenheiten und Täuschungen gewöhnen. Aus diesem Grund sind wir Menschen leicht manipulierbar. Hier ein Beispiel unserer anpassungsfähigen Sinne: Versuchspersonen erhalten eine Brille, mit der die Welt so gesehen wird, als würde sie auf dem Kopf stehen. Die Versuchspersonen haben anfangs größte Mühe sich zu orientieren, sie greifen überall daneben, verschütten beim Eingießen, sie können keinen Ball fangen und sich nur mit Mühe fortbewegen.  Nach 10-14 Tagen finden sich die Versuchspersonen trotz der Welt, die auf dem Kopf steht, wieder zurecht. Sie können gezielt greifen, Ballspielen ja sogar Radfahren. Die Natur hat uns Menschen so ausgestattet, dass wir uns auch unter veränderten Lebensbedingungen anpassen und zurechtkommen können. Diese Fähigkeit wird leider von Machthabern und Tätern genützt um das Volk oder das Opfer an desolate Lebensbedingungen zu gewöhnen. Wir kennen aus der Geschichte, dass Völker und Opfer sich oft lange Jahre an Unterdrückung und Ausbeutung gewöhnten. Es gibt jedoch auch viele Lebensumstände an die wir uns nicht gewöhnen können: große Hitze, Hunger, Kälte, kriegerische Gewalt. Wenn diese Nöte zu große werden, wenn auf die Dauer Lebensgefahr besteht, dann wehren sich die Menschen, dann wollen sie sich nicht länger an widrige Lebensumstände gewöhnen. Auch momentan steht, die Welt auf dem Kopf. Wir erleben viele Menschen, die sich den neuen Bedingungen anpassen. Wir erleben jedoch auch wachsende Unzufriedenheit. Es ist zu befürchten, dass viele Menschen und Tiere diese globale Krise nicht überleben werden. Es bleibt spannend wie sich die Menschen jetzt verhalten werden. Das unorganisierte Dagegensein bringt keine Erfolge, sich in fragwürdigen Gruppen zu solidarisieren ist auch nicht erstrebenswert. Zumindestens können wir versuchen uns selbst und zusammen mit unseren Mitmenschen zu stabilisieren. Auch das kennen wir aus der Geschichte, dass sich tapfere Helden unter widrigen Lebensbedingungen selbst und gegenseitig stabilisierten. Hier ein paar Methoden um sich zu stabilisieren in schwierigen Zeiten

1. Sorge für deinen Körper: Auf den Atem konzentrieren  und eine aufrechte selbstbewusste Körperhaltung einnehmen. Bewegung so weit möglich und Bewegung gut tut. Bewusst und achtsam essen und trinken

2. Ordne deine Gedanken: Gedanken aufschreiben, die Aufmerksamkeit auf Neutrales oder Beruhigendes richten. Positive Glaubenssätze nützen (zum Beispiel das Leben sorgte bisher gut für mich)

3. Achte auf positive Gefühle: die Natur genießen, sich Unterstützung von wertvollen Menschen holen, Neues suchen, erinnere dich an Probleme, die du bereits erfolgreich gelöst hast

4. Jede Krise ist auch eine Chance, versuche zu verstehen, was will mir diese Krise zeigen, wohin führt mich diese Krise, was kann ich aus dieser Krise lernen.

Herzliche Grüße und eine gute neue Woche

Gertrud Müller

Begrenztes Wissen und Energie

Diese Woche klagten mir viele Menschen ihr Leid, weil sie die Welt nicht mehr verstehen. Und ich kann es nachvollziehen, ich verstehe die Welt auch nicht mehr. Wir erlebten diese Woche wieder viel Neues, die Affenpocken kommen, Kinder sollen in Zukunft nicht mehr Papa und Mama sagen dürfen, sondern Erwachsene, Tornados fegen über das Land. Was in Nachrichten, Politik, Gesetz und Finanzen gestern noch galt, das ist heute schon out. Sehen wir Filme oder Bilder, wissen wir nicht mehr ist das echt oder fake. Es ist kein Wunder, dass viele Menschen sehr verunsichert sind, manche werden auf Grund dieser Veränderungen krank oder verrückt. Aber was ist schon krank oder verrückt. Das was Menschen früher als verrückt bezeichneten, ist inzwischen normal, was früher als krank galt, wird heute als Einbildung bezeichnet. Und Menschen, die früher glaubten gesund zu sein, weil sie sich gesund fühlten, sind heute nicht mehr gesund, vielmehr müssen sie erst durch etliche Tests belegen, dass sie wirklich gesund sind. Früher war klar, dass ein Mensch keine Maschine ist und eine Maschine kein Mensch. Auch das ist heute nicht mehr so eindeutig, Roboter lernen tanzen, pflegen und bedienen in Restaurants, während Menschen dressiert werden wie Maschinen zu funktionieren, ganz egal wie es ihnen dabei geht. Was können wir tun, um nicht zu verzweifeln an der allgemeinen, kulturellen, sprachlichen und systematischen Verunsicherung? Das Wichtigste ist sicher zu akzeptieren, dass wir in total verunsichernden Zeiten leben. Wenn andere Ihnen mitteilen, was Sie wieder alles falsch machen, dass Sie die verkehrte Meinung haben, dass Sie sich von einem falschen Weltbild leiten lassen, die falsche politische Einstellung haben, der falschen Religion oder Partei angehören, die falsche Begriffe verwenden, dann können Sie getrost sagen: „Es ändert sich derzeit so viel. es fällt mir schwer, das alles so schnell einzuordnen.“ Diese Wahrheit gilt für jeden! Manche werden sich das nicht eingestehen, Sie sind mit dieser Aussage dennoch ehrlich. Seien Sie beruhigt es gibt derzeit keinen Menschen auf der Welt, der die Summe der Veränderungen kognitiv erfassen kann. Falls jemand das von sich behauptet, können Sie das getrost in Zweifel ziehen und entgegen: „Ich denke, dass niemand in diesen Veränderungen alles überblicken kann.“ Mit dieser Aussage sind Sie auf der sicheren Seite. Die zweite Sicherheit sind Energien. Energien sind messbar, spürbar und nicht zu leugnen. Wenn ein Sturm Bäume umwirft, sind das Energien, das kann niemand leugnen. Wenn Menschen sich aggressiv verhalten sind das Energien, diese Menschen sind energiegeladen, es ist nicht ihre Aufgabe nachzuweisen, warum diese Menschen diese negativen Energien erworben haben. Wenn der Strom wegbleibt, fehlt die Energie und auch wenn ein Panzer Munition verfeuert sind das Energien, ob es uns gefällt oder nicht. „Menschliche Begrenztheit“ und „Energien“ sind zwei feststehende Wahrheiten, die von keinem Menschen zu leugnen sind. Natürlich verändern sich sowohl die Wissensbestände der Menschen als auch Energien ständig. „Menschliche Begrenztheit“ und die Tatsache, dass wir „Energien“ zum Leben benötigen, verbindet alle Menschen und diese Tatsache bleibt Wahrheit auch und gerade in Zeiten, die sich verändern. Vielleicht sind die beiden Größen „begrenztes Wissen“ und „Energien“ die Basis des Lebens und die Basis der Zukunft. Wenn Sie sich das nächste Mal verunsichert fühlen, fragen Sie sich: „Woher haben die anderen die Gewissheit, dass das jetzt stimmt?“ Und prüfen Sie: „Wie viel Energie erlebe ich im Moment, bei mir bei anderen, wo finde ich Energie wo verschwende ich Energie (Essen, Trinken, Mobilität, Beziehungen, Arbeit; Gesundheit, Wärme, Licht)

Ich wünsche uns allen viel Kraft, Energie und Mut um mit und in diesen sich verändernden Zeiten zu leben.

Gertrud Müller